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Rapde-Redaktion - “Hoes, Flows und Meinungen”
Journalistisch wertvolle Beiträge von den fabelhaften Menschen der rap.de-Redaktion.
03.11.2009
50 Cent vs Rest der Welt
Ich bin ehrlich: Ich habe 50 Cent anfangs für nicht sonderlich intelligent gehalten. Sympathisch und bisweilen bauernschlau, aber dann doch auch immer etwas tumb wirkend. Dieser Eindruck hat sich in letzter Zeit massiv gewandelt. Wenn es zum Streit mit einem Rap-Kollegen kommt, scheint Herr Jackson nämlich vollkommen aufzublühen und dazu fähig zu sein, innerhalb kürzester Zeit perfideste Diffamierungs-Pläne zu entwerfen. Paradebeispiel ist hierfür der schon seit Ewigkeiten vor sich hinschwelende Beef mit Rick Ross, der sich zwischenzeitlich aber auch zum regelrechten Buschbrand entwickelt hatte. Vorläufiger Höhepunkt war meiner Meinung nach der Porno, den Fifty mit einem anonymen männlichen Darsteller sowie einer der Exfreundinnen seines Kontrahenten drehte. Einfach so. Weil er es kann. Nebenbei ließ er auch noch einen "Ricky Ross" Cartoon mit mehreren Episoden produzieren, der den ehemaligen Gefängniswärter in eben dieser Rolle zeigte.



Die nächste große Geschichte kam dann bei Fat Joe. Fiddy ließ sich unter gewaltigem Geschrei und jeder Menge schauspielerischem Aufwand (unter anderem gab es eine herzzereißende Szene mit seinem Sohn) ins Krankenhaus einliefern. Angeblicher Grund dafür: Er hatte das neue Album des New Yorker Rap-Schwergewichts gehört. Als dieses sich auch verkaufstechnisch wenig ambitioniert zeigte, folgte der Spott vom guten Curtis natürlich auf dem Fuß und er veröffentlichte auf seiner hauseigenen Website thisis50.com einen Werbebanner. Auf dem wird "J.O.S.E. 2" als "The most anticipated album of this century" angekündigt, unmittelbar darunter folgt das angeblich vom "Rolling Stone"-Magazin stammende Zitat "With 8,300 copies sold Joe shows no signs of stopping". Eine News war der "Misserfolg" des Albums dem Redaktionsteam übrigens auch noch wert, Fifty selbst hatte dazu nur folgendes zu sagen: "Ein schlechter Mensch tritt dich, wenn du am Boden liegst. Nun, ich bin der Schlechteste: Ich trete Fat Joe gegen den Kopf."

Mittlerweile scheint sich der halbe Dollar aber, womöglich unbefriedigt aufgrund der fehlenden Gegenwehr seines Opfers, wieder Rick Ross zugewendet zu haben. Oder zumindest dessen Musikerumfeld. Über die Rapformation Triple C’s sagte Fifty nämlich, dass diese von ihrem neuesten Album nicht mehr als zehn Exemplare verkaufen würde. In einer amerikanischen Radioshow wird der Gute dann auch auf genau dieses Thema angesprochen. Als via Allhiphop.com die Nachricht eintrifft, dass die tatsächlichen Verkäufe von "Custom Cars & Cicles" sich auf gut 4,000 Stück belaufen, bricht Fiddy zusammen. Dramatisch greifen seine Hände ins Leere und bekommen irgendwann die Arme der Interviewer zu fassen. Den Tränen nahe ringt er nach Worten und verlässt schluchzend seinen Platz. Ganz großes Kino. Fernab von irgendwelchen Gangsterfilmen mit Musik respektive Musikfilmen mit Gangstern scheint Curtis Jackson endlich die Rolle seines Lebens gefunden zu haben. Fifty, mach weiter. Ich liebe dich.




lisa

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20.10.2009
Dizzee Rascal bei Niketown
Alle Fotos von Nady El-Tounsi. Danke!


Ah, Niketown. Während der gewöhnliche Tourist bei einem Berlin-Aufenthalt den Checkpoint Charlie begutachtet und immer wieder glücklich aufatmet, weil man der arthritischen Kralle des Kommunismus entgangen ist oder sich fragt, wer diese folkloristischen Grüppchen bunt bekleideter Frauen sind, die ihn nach seinen Englisch-Kenntnissen befragen, hält das ambitionierte Hype-Wunderkind, während einen Hauptstadt-Aufenthalts natürlich bei Niketown und ersteht ein paar Schuhe und ein Fußball-Trikot irgendeines unsinnigen Landes, Liechtenstein vielleicht.

Dizzee Rascal, zu deutsch "der angetrunkene Strolch", hat jedenfalls nichts besseres zu tun, als mit einem roten Bademantel bekleidet durch die heiligen Hallen zu schnüstern und sich Schuhe auszusuchen, während sich im Untergeschoss ein junger Mann namens Tobias aka Teejay Jeronim aus dem Ruhrgebiet die Handinnenflächen trocken reibt. Torsten bekleidet mit einer roten Mütze, einer Daunen-Weste und einem üppigen Stachel in der Unterlippe, ist der Gewinner eines StudiVZ-Universal-Nike-Wettbewerbs, bei dem man ein Treffen mit Dizzee Rascal und einen selbst gestalteten Nike.id-Schuh gewinnen konnte. Die plötzliche mediale Aufmerksamkeit ist ihm mehr als unangenehm, er sieht ein bisschen verloren aus,während stylishe Menschen um ihn herum scharwenzeln. Mit einiger Verspätung betritt Dizzee den abgesperrten Nike.id aum. Der, durch alle Zentralorgane der Pop-kulturgeadelte Strolchi, im Gepäck hat er seinen finsteren Back Up-Rapper und seinen DJ/Manager oder so, ein sehr geschäftiger Mann, jaja, das ist er. Sein Blickfeld ist mit dem Display seines Blackberry Curve 8900 verschmolzen und bildet eine perfekte Symbiose. Das ist schön, jaja, das ist es.

Dizzee himself ist höchst professionell, eine ebenfalls sehr professionelle Umschreibung für "gelangweilt". Es gibt einen Hand-Shake mit dem Gewinner, der sich präventiv noch mal die Handinnenflächen trockengerubbelt hat, dann setzt man sich auch schon vor die bereitgestellten iMacs und entwirft, bis die Schwarte kracht.



Im Falle des kleinen Strolchis heisst das: "Computer an, Air Max 90 auswählen, frustriert auf dieser Ei-förmigen Maus herumhacken, über Kokain nachdenken, welche Farbe, ah, gelb, gelb ist immer gut, jaja. Fertig."



Der bedächtige junge Mann aus NRW schweigt derweil, sein Englisch ist nicht das Beste, ab und zu nickt er, wenn Dizzee im schönsten Cockney-Slang irgendetwas sagt, was wohl nur Manager und Back Up-Rapper verstehen. Da der Gewinner knapp 600 Kilometer gefahren ist, bleibt er etwas wählerischer.



Nach knapp 15 Minuten ist dann aber schon alles vorbei, es gibt Abschiedsfotos mit den designten Schuhen, Strolchi verschwindet mit Taschen voller Schuhe, die es nie, nie, nie in London gegeben hätte. Der Gewinner verschwindet derweil in seine Unterkunft, ein Freund aus NRW kommt ihn besuchen, gemeinsam wollen sie sich dann das Showcase in der Bar 1000 anschauen.

Schwitzende Hände habe ich auch ich, als ich abends um 10 Uhr vor der Bar Tausend eintreffe. Wenn das jetzt mit der Gästeliste nicht geklappt hat. Wenn der jetzt sagt, "Nee, tut mir leid, du stehst da nicht drauf!", Wenn ich dann unter den höhnischen Blicken diseser stylishen Leute mit ihren Flanell-Hemden und hoch geklappten Mützen nach Hause schloppen muss, dann nehme ich mir ein Bad und bring mich um. Vor dem Eingang stehen ein paar Jungmannen, deren Geld-Geruch zu mir herüber weht. Sie riechen nach Muskat und Nelken und hübschen Freundinnen, die Medizin in Venedig studieren. Der Geruch bringt ihnen hier allerdings wenig, das ist straight Gästelistenshit, Motherfucker. Jetzt schreien sie herum oder versuchen es auf die versöhnliche Tour: "Hey, die Nicci ist scho' drin, die ruf ich jetzt mal, dann klärt sich des auf!" Wir hingegen müssen nur unsere Namen und das namenhafte Label, dass die Verwertungsrechte von The Jam besitzt (Google it, Bitches!) aufsagen, schon weist uns ein sehr gut aussehender Türsteher (gut aussehend im Sinne von keiner Kameradschaft namens "Thorwolf" angehörend) den Weg weist. "Schönen Abend" wünscht er uns.

An der Garderobe kostet die das Abgeben der Jacke kein Geld. In solchen Augenblicken wird einem schrecklich klar, wie viele sinnlose Abende man in der Hölle zwischen Warschauer Straße und Ostkreuz verbracht hat, in Clubs, in denen mürrische Garderoben-Indie-Mädchen meine Jackentaschen nach Bargeld und Mobiltelefonen absuchten, um später gehässig Brandlöcher in die Jacke zu brennen oder ein riesiges Hakenkreuz auf den Rücken der Jacke zu malen. Die Garderoben-Dame ist in Würde gealtert, freundlich und hübsch, natürlich geben wir Trinkgeld. Wir habens ja. Die Bar ist wahnsinnig teuer und schön eingerichtet, Barmenschen, die Aussehen wie Modells aus der Modestrecke der spex. Da bestellt man gerne ein Bier, ach was solls, ich geb dir eins aus, so teuer kann es ja nicht sein. "9 Euro", sagt der Kellner, jetzt ist wichtig, dass er das Blinzeln nicht sieht und auch nicht das 4you-Portemonnaie aus dem man den einzigen 10 Euro-Schein des Abends wühlt und weltmännisch "Stimmt so" sagt. Das Bier kommt aus Italien und schmeckt sehr gut. Was wohl unser neuer Freund aus dem Ruhrgebiet zu diesen Preisen sagen wird, er gestand uns nämlich, dass er kein Geld für CDs hätte und deshalb gerade nicht so ganz auf den Laufenden sei. Im Ruhrgebiet sind die Menschen ehrlich und haben Verständnis für gute, handwerklich saubere Musik, da lädt man nicht runter. Man klaut ja auch keinen schön gedrechselten Stuhl. So ein schöner Stuhl, ganz aus Eiche, mit Korb gebunden, jaja. Wenn man den Blick schweifen lässt, dann ist ein Haufen Szene-Prominenz vertreten, Rapper, Label-Menschen und so Medien-Leute. In solchen Augenblicken wird einem schrecklich klar, dass man viel zu viele sinnlose Abende in der Hölle zwischen der Warschauer Straße und Ostkreuz verbracht hat, in einem Club, in dem ein völlig enthemmter 21-jähriger um halb fünf morgens zu "Hey, das geht ab" tanzt, beide Hände in den Himmel, jeden Takt mit den Armen unterstreichend, während der Schritt seiner stonedwashed Baggy langsam ein schönes Indigo-Blau annimmt. Hier hingegen tanzt ein dünner Whipster-Typ mit Hut und Unterhemd mit einer dänischen Schönheit und trinkt Rotwein dabei. Dann raucht er eine fette, schwanzartige Zigarre und reicht sie immer wieder an seine Freundin weiter. Er sieht so cool dabei aus, dass ich ihn wahnsinnig gerne schlagen möchte, oder schlimmeres. Später verziehen sich beide auf die Toilette.

Dann irgendwann tritt Dizzee Rascal, der aufgrund seines zerschroteten Hinterkopfes "Beulenmann" genannt wird, auf. In solchen Augenblicken fragt man sich, wie Strolchi das wohl alles verkraftet. Vor ein paar Jahren noch in verrauchten Grime-Clubs in Hackney oder Bow, Teenagerschwangerschaften, Messerstechereien und UK Garage, heute vor einem 95% weißen, pseudo-prekären Publikum in einer Bar, in die er früher nie gelassen worden wäre. Jaja, das Leben. Man weiß nie, wie es kommt. Jajajajaja. Hahahaha. Der DJ fängt mit "Fix up look sharp" an, Dizzee rappt, Stimmung steigt. Weiter geht es mit seinem neuen Album, "Tongue n Cheek", Ibiza-House-Zeugs, aber in arty-farty. Leider sind die verschwitzen Menschen vor mir, so arty-farty, dass sie nur herumstehen, ich bin doch nicht durch die harte Schule der Jugendzentrum-Punkkonzerte gegangen, um jetzt hier nur herumzustehen, deshalb nach vorne drängeln, Hipster werden wütend, "Hey, wir sind doch wegen der gleichen Sache da, wir sind stylo-geilo, jaja, Stimmt eigentlich, Hey, voll cool"-Gespräche, dann weiter, "Spast" zischelnd. Am Bühnenrand geht’s dann schon mehr rund. Richtig gut, der Beulenmann gibt alles. Ende, anerkennendes Schulterklopfen. War super, das alles.

Jetzt beginnt der Run auf die Bar, ach Geld, Geld spielt keine Rolle. Vodka mit naturtrüben Apfelsaft bitte, hier 8 Euro, jajajajaja, natürlich stimmt so, hähähähä. Die Party wird richtig gut, man erfreut sich an der anwesenden Prominenz, als ich mein Portemonnaie liegen gelassen habe, ruft jemand "Hey, dein Portemonnaie!" Verdutzt nehme ich das Scham-Objekt entgegen, "4you-The Original", es wurde nicht geklaut. Dann noch ein bisschen tanzen, auf der Toilette klebt ein German Wasted Youth-Sticker ("t-shirt xlarge for ¤45.00") Menschen wasten sich dort auch sehr kunstvoll. Dann nach Hause, in unser gewöhnliches Leben, mit Cassiopeia und nachts am U-Bahnhof Leopoldplatz merken, dass man ein fettes Hakenkreuz auf dem Rücken hat und dass man nie, nie, nie ein dänisches Model dazu kriegen wird, eine schwanzartige Zigarre zu rauchen. Aber hey, es gibt einfach Dinge im Leben, da muss sich dran halten, da wird man zugeteilt, jaja.

Solltet ihr auch Interesse daran haben, euren Crewnamen oder "MC Dragon" auf eure Schuhe drucken zu lassen, oder diese in den abgefahrensten Farben schillern zu lassen, dann kommt ihr um einen Besuch bei Niketown in Berlin oder auf diese Homepage nicht herum.

moritz.

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29.09.2009
Vega vs KAAS
Heute einmal mehr zwei Videotipps, denn Rapdeutschland hat momentan scheinbar nichts anderes zu tun, als permanent Musikvideos zu drehen und wir kommen kaum noch hinterher. Normalerweise findet ihr die Zusammenstellungen des aktuellsten Materials in unserer Sound und Video Abteilung, weil es aber zwei neue, so wunderschön gegensätzliche Clips gibt, stellen wir sie in einem Blog vor.

Video Numero Uno stammt von dem Frankfurter Rapper Vega, der immer ein bisschen miesepetrig aussieht. Was er aber wahrscheinlich auch muss, denn die Straße spricht zu ihm. Weil es da draußen, in der dunklen, kalten Welt (Ist es eigentlich die Nordi? Ich weiß es nicht. Manchmal hat man ja das Gefühl, dass es in der größten Stadt Hessens gar keine anderen Stadtteile gibt) keine Farben gibt, ist das ganze natürlich auch in Schwarz-Weiß gehalten. Oder zumindest sehr entsättigt. Der "König Ohne Krone" krönt sich in depressiver Endzeitstimmung selbst, Schauplatz ist hierfür ein abgefucktes altes Gebäude. Besonders großartig finde ich die zerschnittene Jeans, die er trägt. Steht glaube ich nur noch US5-Bandmitgliedern besser. Raptechnisch ist das natürlich trotzdem alles solide. Wir freuen uns dementsprechend also auch auf alle kommenden Videos von Vega und das am 9. Oktober erscheinende Album. Vielleicht erfahren wir dann auch endlich, anstelle von was der Frankfurter lieber broke wäre. Oder warum sein Logo exakt so aussieht wie das von Fler. Warum es sein Lied von einem Franzosen schon mal gab, hat er ja schon erklärt.



Wir haben euch aber auch ein Kontrastprogramm versprochen und das kommt jetzt. Trocknet also eure Tränen und kneift die Augen etwas zusammen, denn jetzt wird es bunt. KAAS hat ein Video zu "Sam Cooke Und So" gedreht und das ist so positiv, dass man ihn gerne mal mit Vega zusammen in einen Bunker sperren würde. Für ein paar Tage. Einfach um zu sehen, was passiert. Es gibt Pferde, Blumen, Kinder, Herzen und Bänke, Kaas, Maeckes und eine Plan B. Maske sind im Video vertreten und man weiß einmal mehr nicht, ob man das unsagbar super oder unfassbar…. unfassbar finden soll. Aber guckt das mal direkt nach "König Ohne Krone". Das ist der Überflash.




lisa

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