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Wir hatten redaktionsintern nach dem durchaus aufschlussreichen Interview mit B-Tight ein wahnsinnig ehrgeiziges Projekt. Man hätte den Pulitzerpreis, oder was auch immer man für derartige Forschungsergebnisse verliehen bekommt, an uns überreichen sowie uns alle zu Beckmann einladen müssen. Das Projekt trug den Namen "Unterschiedliche Wahrnehmung beim Pornogucken zwischen Mann und Frau" und "wir" waren in diesem Fall Andreea und ich. Weil wir aber beide weiblich sind, brauchten wir noch ein männliches Gegenstück. Freiwilligerweise dazu bereit erklärt hatte sich Sil-Yan B., seines Zeichens DJ der Rap-Gruppe K.I.Z. und nach Eigenaussage kein regelmäßiger Pornogucker. "Egal, hauptsache Mann", haben wir uns gedacht, und uns bei dem jungen Herrn in einer Kreuzberger Altbauwohnung getroffen.
Eigentlich wollten wir qualitativ hochwertige und zugleich auch frauenaffine (super Wort im übrigen) "Erotikfilme" angucken, um anhand dessen herauszufinden, wo denn hierbei der Unterschied zum handelsüblichen Porno liegt. Davon ausgehend hätte sich dann eine wunderbare Diskussion über Erotik und alles was damit im Zusammenhang steht entspinnen können. Uneigentlich haben Andreea und ich dann aber vergessen, DVDs mitzubringen und demzufolge haben wir uns irgendeinen amerikanischen 08/15 Schinken angeguckt. Sogleich wurde einstimmig festgestellt, dass die agierende Frau im Vergleich zur durchschnittlichen Akteurin ziemlich hübsch, der Mann hingegen eher weniger erotisch ist. Sil-Yan hat das nichts ausgemacht, denn der würde innerhalb kürzester Zeit "sowieso ausgeblendet" werden. Mann konzentriert sich also auf das Wesentliche, Frau hingegen fällt schon mal auf, dass das auch während des Geschlechtsakts angelassene Hawaii-Hemd wahnsinnig geschmacklos ist, diesbezüglich aber wiederum sehr mit der abgrundtief hässlichen Couch harmoniert.
Trotz wahnsinnig professioneller Arbeitseinstellung fällt es schwer, die journalistische Integrität zu wahren, wenn man sich dazu gezwungen sieht, minutenlang einen riesigen schwarzen Penis anzustarren. Allerdings ist es zumindest von meiner Seite aus keine erotische Faszination, viel mehr ein ungläubiges... Anglotzen. Nach mitunter unangenehm anmutender Stille, fällt mir wieder ein, was wir eigentlich wollten. Fragen stellen, Dingen auf den Grund gehen und so weiter. Ein bisschen so, als wären wir Kriegsberichtserstatter in Timbuktu oder sonst irgendwo, wo eigentlich noch nie jemand war, den man kennt. Auf was kommt es also dem männlichen Geschlecht an? Laut unserem Experten definitiv nicht auf eine hanebüche Rahmenhandlung, vielleicht auch deshalb, da er nicht sonderlich oft Pornos guckt und deshalb weniger schnell vom Geschehen gelangweilt ist.
Auch Musik und die Umgebung sind nicht wichtig, können aber erotisch sein, ebenso wie Rollenspiele. Auf den Einwand, dass dies meist eher unfreiwillig komisch denn sexuell stimulierend wirkt, hat der Herr eine Antwort parat, die vielleicht in diesem Fall etwas überraschend aber nichtsdestotrotz einleichtend wirkt: "Komische Szenen dürfen dabei sein, Lachen gehört ja zur Erotik absolut dazu." Des Weiteren sei es wichtig, dass die agierenden Frauen nicht dumm aussehen und DAS, liebe Leser, finde ich wahnsinnig super und eigentlich sollten Männer so etwas viel öfter sagen. Auch die "Unterwerfung" der Frau respektive der Versuch, sie mit dem eigenen Penis zu ersticken, ist nicht stimulierend. Andreea und ich sehen das genau so und als die Schwarzhaarige Porno-Akteurin halb nach Luft schnappend, halb würgend vor ihrem Filmpartner kniet und verzweifelt versucht, dabei auch noch lüstern in die Kamera zu gucken, tut sie uns eigentlich schon beinahe Leid.
Schlußendlich scheinen sich also sowohl Männer als auch Frauen nach einer gleichberechtigten und deshalb trotzdem nicht zwingend langweiligen und "lieben" Sexualität zu sehnen, sowohl im Film als auch in der Realität. Vielleicht sieht B-Tight das anders, vielleicht sehen das Personen, die in ihrem Alltag wenig durchsetzungsfähig sind und deshalb ihre eigene Dominanz auf andere Art und Weise ausdrücken müssen, das auch anders. Und ja, vielleicht wirken Silikonbrüste auf Video einfach besser als natürlich gewachsenes und je nach Alter unterschiedlich straffes Brustgewebe, aber vielleicht sind es auch gerade die Unperfektheiten, die etwas interessanter machen. Zweifelsohne gehen all diese Feststellungen etwas am angestrebten Thema vorbei, nichtsdestotrotz würde ich derartige Erkenntnisse als durchaus aufschlussreich bezeichnen. Außerdem haben wir es nur für euch getan!
Euere aufopferungsvollen Lieblingsredakteure von rap.de
lisa
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