8:22 Uhr Ortszeit war es, als Ingrid van Bergen im australischen Busch die Hände faltete, zum Himmel blickte und dem Herrgott für die Ehre dankte, die ihr nun endlich zuteil geworden war. Von diesem Moment an war sie nämlich offiziell die vierte deutsche Dschungelkönigin. Und im selben Moment gingen zwei Wochen Fernsehunterhaltung voller Tränen, Freude, Angst und Niveau zu Ende. Was haben wir uns wieder ergötzt an "Promis", die sich von Straußen den Rücken blutig hacken lassen und sich für ein bisschen warmes Fleisch in Mehlwürmern und Kakerlaken suhlten. Es war fantastisch. Am 9. Januar war endlich der Tag gekommen, als unser aller Lieblingssender RTL mal wieder zehn gescheiterte Showbiz-Existenzen im australischen Dschungel aussetzte, damit wir uns an ihrem lächerlichen Auftreten aufgeilen konnten. Die Bildzeitung konnte wieder so vielsagende und informative Schlagzeilen wie "Lorielle / Busenquetschung nach Dschungelprüfung" in den Äther blasen und der Sender sich über außerirdische Quoten freuen. Und der Zuschauer konnte sich natürlich auch dieses Mal über die grandiosen Teilnehmer freuen. Nico, "Hintername" Schwanz,

das nicht wirklich intelligente aber sehr sympathische Model aus Thüringen; Peter Bond, in die Jahre gekommener Ex-Pornodarsteller und -Glücksradmoderator, der sich nach außen als starker Mann gab, im Endeffekt aber alles verkackte, was er anfing; Günther Kaufmann, hochverschuldeter Nebenrollendarsteller in Bud Spencer-Filmen, welcher die meiste Zeit mit Herumliegen und am Gemächt-Kraulen verbrachte, Giulia Siegel, Tochter von Produzentenlegende Ralf Siegel, die sich ihre Brötchen als "DJane" auf peinlichen Promipartys im P1 verdient, Lorielle London, ehemals Lory Glory, ehemals Lorenzo, die selbsterklärte Supertranse mit Riesenmöpsen und abgeklebtem Pullermann, Ingrid van Bergen, Schauspielerin und verurteilte Mörderin im Affekt und noch ein paar weitere traurige Gestalten, von denen man eigentlich gar nicht mehr wusste, was sie überhaupt sind bzw. einmal waren. Und wie schön waren diese mutigen Menschen bitte wieder alle anzusehen, wenn sie sich mit Mühe und Not durch die haarsträubenden Dschungelprüfungen quälten, für welche mal wieder metertief ins Ekelsortiment gegriffen wurde. Wenn die Siegel die Nationalhymne summt, während sie, in einem Glaskasten eingeschlossen, mit Ratten, Kakerlaken, Ameisen und Spinnen überschüttet wird, wenn Lorielle London Tarzan-like mit vollem Körpereinsatz auf schwimmende Schaumgummisterne ins Wasser hechtete und Ingrid van Bergen auf Känguruhoden biss, dass man es nur so krachen hörte, hatte wie so oft mal wieder das letzte Stündlein für die Kultur in Deutschland, dem Land der Dichter und Denker, geschlagen. Nicht zu vergessen natürlich auch die extravaganten Gesprächsthemen von Gundis Zambó und Mrs. London, die sich vom ersten Mal mit Zwölf berichteten, oder davon, wie genau die baldige Geschlechtsumwandlung vonstatten gehen soll und dass die "Umgestaltung" Lorielles Gesäßes erst zu drei Vierteln abgeschlossen ist. Noch interessanter war es da eigentlich nur noch, als die 78-jährige Ingrid vom Mord an ihrem Ehegatten erzählte und mit Günther Knasterfahrungen austauschte. Auch von großer Bedeutung war natürlich der große Brustvergleich zwischen Silikontittchen Lorielle, Mausi Lugner und Giulia inklusive Anfassen und Oberweitenzucken. Überhaupt Giulia Siegel / wer für diese Person jetzt noch so etwas wie Sympathie aufbringen kann, scheint mental nicht mehr ganz bei sich zu sein. Legendär ihre tagtägliche Wehwehchen-Aufzählung und ihre zahllosen Phobien: Wasser, Spinnen, Dunkelheit und so weiter. Wie durch ein Wunder waren all diese Probleme urplötzlich wie weggewischt, als es bei den Dschungelprüfungen darauf ankam, lecker Essen zu erspielen. Auch sehr belustigend der "Bananenkrieg" mit Ingrid van Bergen. Ingrid, welche als Vegetarierin statt Fleischrationen immer gesondert Obst bekam, wurde von Giulia dazu aufgefordert, ihre Banane mit ihr zu teilen, da sie ja aufgrund der Tatsache, dass sie nur Hühnchen-, Puten-, und MAXIMAL noch Rindfleisch isst, ebenfalls so etwas wie eine Vegetarierin sei. Dass alle anderen natürlich sich genauso das Possumfleisch runterwürgen mussten, welches sie verschmähte, spielt dabei natürlich keine Rolle. Die bedeutungslose Siegeltochter meinte wahrscheinlich auch, die Leute reißen sich darum, ihr etwas Gutes zu tun, wenn sie sich vor die versammelte Mannschaft stellt und fragt: "So, wer hat Lust, mir jetzt eine richtig lange und ausgiebige Rückenmassage zu verpassen?" / Keiner natürlich, und so weinte die kleine Giulia bitterlich im Dschungeltelefon.

Dies tat sie dann übrigens so lange, bis RTL sie auch aufgrund ihrer starken "Rückenschmerzen" drei Tage vor dem Finale in die Freiheit entließ. Schade eigentlich, wer weiß, was alles noch hätte passieren können, wäre Prinzesschen noch für die letzten Stunden in der grünen Hölle gewesen. Hätte sie van Bergens letzte Reisreserven weggeputzt? Hätte sie Nico Schwanz darum gebeten, die Hornhaut von den Füßen zu hobeln? Man weiß es nicht.
Schlussendlich sollte man natürlich auch dieses Mal nicht das Moderatorenteam bestehend Sonja Zietlow und Dirk Bach vergessen. Deren Performance schwankte zwischen gewollt bissig und wirklich witzig, ging aber im Großen und Ganzen schon klar, schon alleine weil Bachs entzückende Outfits an sich schon kleine Highlights waren. Selbst ein Christian Audigier hätte sie für die Idioten aus der Dorfdisse nicht hübscher designen können. Hier eine kleine Auswahl der schönsten Exemplare:
Zurück bleiben wieder einmal die besten Erinnerungen an diese unvergesslichen zwei Wochen, bei denen man stellenweise wirklich das Gefühl hatte, ein Teil der Buschfamily sein zu dürfen. Und obwohl einige Fragen für immer ungeklärt bleiben werden / Wer war für die vollgeschissene Klobrille in der Dschungeltoilette verantwortlich? Wieso konnte Günther Kaufmann nicht zum König gewählt werden? Und wer verdammt noch mal ist dieser Michael Meziani? / danken wir alle RTL auf Knien für diesen Gipfel der anspruchsvollen Unterhaltung im deutschen Privatfernsehen. Und bei knapp 8 Millionen Zuschauern ist es wohl durchaus berechtigt ein lautes "Auf ein neues!" auszustoßen und sich voller sadistischer Wollust auf Staffel Fünf zu freuen. Redaktionsinterne Teilnehmervorschläge: Reinhold Beckmann, um Interesse bei den verspulten mittfünfziger ZDF-Zuschauern zu wecken, Marc Terenzi als letzte Identifikationsfigur für langsam erwachsenwerdende Teenies und natürlich Eko Fresh, damit auch was für die HipHop-Fraktion dabei ist. Das wird ein Fest!