Im ersten Teil meiner "
Vom Proletariat zur Bourgeoisie" - Reihe habe ich euch einige Künstler vorgestellt, die die meisten von euch schon seit längerem im Internet haben rumhampeln sehen. Was mir bei den Kommentaren aufgefallen ist, ist dass ganz ehrlich die Wacksten darunter wieder die Bekanntesten sind. Menschen wurden mal berühmt weil sie von sehr vielen Leuten gemocht werden, mittlerweile, weil sie von besonders vielen gehasst werden. Die Hörer haten die jungen Künstler über Youtube über Myspace, wo sie nur können. Die Künstler untereinander ebenso, sogar wenn sie beim gleichen Label sind. Man braucht noch nicht mal mehr Diss-Tracks. Das Internet ist schneller, die Mäuler sind lauter, die Kinder immer frecher. Denkt man an
Pac und
Biggie und deren Beef zurück, dann ist
Souljah Boy gegen
Charles Hamilton natürlich Kindergarten. Insofern, sind Youtube und Myspace eine gute Sache. Es gibt zumindest erstmal keine Toten. Andererseits ist es auch kein wahrer Beef, wenn sie sich nicht auch mal auf’s Maul hauen oder zumindest an einander geraten. Nicht nur Beef-technisch, sondern auch Qualitäts-technisch liegt das Maß heute so viel tiefer, dass man sich als Zuhörer mit weniger zufrieden geben muss oder eben ganz aussteigt.
Interessant ist aber auch, dass man von Hip Hop Ären spricht, vom Tod und nun von der Hip Hop Renaissance, und vor allem all das in einem relativ kurzen Zeitraum. Die neue Hip Hop Welt wirft wild mit neuen Begriffen um sich, die man überall hört. Ich war bis vor ein paar Tagen noch in New York und konnte nicht fassen, wie oft ich gewisse Begriffe gehört habe, wie "Hipster", "Hopster", "Swagger", "Hip Hop Recession", "Hip Hop Renaissance" und vor allem dieser Satz "we’re bringin’ the 90’s Hip Hop back to New York, the Golden Age is back". Das Wort "Swagger" ist sogar schon so ausgelutscht, dass es von vielen französisch ausgesprochen wird, um es aufzufrischen, "Swagé" sozusagen. Ich musste mehr als nur lachen, als ich es das erste Mal hörte, weil es mich total an STRANGÉ,
Grace Jones’ Rolle in "
Boomrang" erinnert und an die legendäre Dinner-Szene mit
Eddie Murphy, in der sie quer durch’s Restaurant "
Pussy! Pussy! Pussy!" schreit. Mein Gott. Ist das witzig! Ich liebe diese Szene.
Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich einfach überhaupt keine Lust mehr über Hipster zu schreiben und warum Hip Hop jetzt in erstere und Hopster unterteilt ist, und was Elektro und Bierzelt auf einmal mit Rap zu tun haben. Somit passt die Überschrift auch nicht mehr zu 100%.
In erster Linie, weil es zu viele verschiedene Baustellen sind, in Zweiter, weil es zu viele tun und mir die oben aufgeführten Begriffe alle auf den Sack gehen. Vielleicht ist Hip Hop tot und alle kommen nicht drauf klar, so
Elvis Presley-mäßig oder
Pac, bei denen Teile der Menschheit nicht einsehen wollen, dass sie tot sind. Vielleicht hat Hip Hop nur sein Gesicht geändert. Egal wie man es sieht, Fakt ist, es findet eine Entwicklung statt und Entwicklung ist doch was unser Dasein überhaupt ausmacht. Interessante Antworten zu diesem Thema, hatte auch Parrish Smith am Donnerstag im Interview mit rap.de, das ganz bald online geht. Er ist ganz meiner Meinung in den Punkten, dass Rap ein reines Unternehmen wurde, das von Beat-Boxing oder Graffiti nichts wissen will, denn diese Elemente der Hip Hop-Kultur machen nun mal nicht diese Multi-Millionen Umsätze. Hip Hop wurde auf Rap minimiert und zum Massenprodukt getrimmt. Außerdem ist dieses Thema alt und hat nur, wie Rap selbst, neue Züge angenommen. Wenn man den
Bush Babees auf "
Remember We" oder
Common auf "
I Used To Love H.E.R." zuhört, haben die '94/'95 schon so empfunden. Kein Wunder, dass letzterer 2008 mit immer gewagteren Musikstilen experimentiert und ein Album herausbringt, das mit dem Wort "gewöhnungsbedürftig" am treffendsten beschreiben kann.
Ich will wissen, wie die New Schooler das sehen. Dazu muss man New Schooler interviewen, also bin ich wieder nach New York geflogen um
Stalley aus Brooklyn zu treffen. Ich habe ihn vor ungefähr einem halben Jahr entdeckt. Den ersten Track, den ich von ihm gehört habe, hieß "
Put Some Good In". Ich war hin und weg auf eine Art und Weise, wie ich es seit Jahren schon nicht mehr war. Der Track ist von
Thoughts For Food aus Hanau (!) produziert, sowie 90% seines letzten Mixtapes "
GoinApe"- ein wahres Meisterwerk. Ganz ehrlich, war seine Musik für mich so, als ob ich McFly begegnete, er mich in eine Zeitmaschine in die 70er und 90er setzte, um mir zu zeigen wie der Musikstil von damals heute klingen würde. Und das Etikett dafür ist
Stalley - Junior Manager bei Alife, ehemaliger B-Baller und leidenschaftlicher Lyricist. Eine Kombination, die genau das auf den Markt wirft, was ich gerne wieder hören will. Seine äußerliche Erscheinung kann zwar durch seinen dichten langen Bart ein wenig gruselig wirken, hat aber etwas sehr anziehendes.
Mos Def schien das genau so empfunden zu haben und nahm ihn Anfang des Jahres mit auf Tour.
Ihn, will ich euch etwas näher vorstellen. Er soll Gehör finden, weil er es verdient. Natürlich kann man jetzt sagen, dass so Einige es verdienten, aber er ist etwas Besonderes.
Stalley sticht aus der Masse heraus. Wie genau er das tut und warum, wie es dazu kam, dass er zusammen mit Mos Def auf Tour ging, werdet ihr im Interview mit ihm erfahren, wenn unsere Seite relauncht ist und wir Newcomern eine größere Plattform auf unserer Seite bieten können. Ich bin wirklich stolz auf das Interview, das ich während einer Studio-Session mit ihm bei Heavy Roc Music machen konnte. Haltet während der Feiertage auf jeden Fall schon mal Ausschau nach ihm auf rap.de "Sound & Video", wo wir ihn kurz vorstellen werden inklusive download link. Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack: