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weblog-artikel | Anti-antiautoritär
Rapde-Redaktion - “Hoes, Flows und Meinungen”
19.12.2008 - Anti-antiautoritär
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Dem Verfassen dieses Blogs liegt eine weitere aberwitzige Geschichte des Königs von rap.de zugrunde. Es ging um einen Interrail-Trip, der ihn vor langer, langer Zeit in das gelobte Land Portugal führte. Es ging um eine Hippie-Gemeinde, die auf einem staubigen Parkplatz an einem nahezu ausgetrockneten See lebte, von dem es hieß, er dufte nach Rosenblüten. Es ging darum, dass die Reisegruppe nach stunden-, wenn nicht tagelanger Fahrt endlich an dem sagenumwobenen Ort aufschlug und sie kaum mehr als diesen dreckigen Parkplatz mitten in der Einöde sah. Es ging darum, dass die Kinder dieser Hippie-Siedler dort einfach hinkackten. Mitten auf dem Parkplatz.

Worum soll es aber jetzt und hier, in diesem Blog gehen, wird der ein oder andere sich jetzt fragen. Es geht um anti-autoritäre Erziehung. Und auch ich wurde Zeuge einer Situation, in der sich mir das gesamte Ausmaß dieser schrecklichen Art und Weise, seine Nachkommen großzuziehen, darbot. Natürlich weit weniger spektakulär als in der eingangs erwähnten Story, aber ausreichend aufregend um mich eindeutig GEGEN dieses Prinzip der Kindererziehung auszusprechen.

Es geschah an einem vergangenen Sonntag auf der Zugfahrt von meiner schönen Heimat Leipzig in die nicht ganz so schöne Hauptstadt Berlin. Da ich aufgrund meines geringen (respektive nicht vorhandenen) Einkommens dazu gezwungen bin, so günstig wie möglich von A nach B zu kommen, war ich im InterConnex unterwegs. Die Zugfahrt für 20 Euro, in nicht mal anderthalb Stunde bis nach Berlin, ein gutes Angebot. Das denke aber nicht nur ich, sondern / gerade am Wochenende / auch ungefähr eintausend andere Menschen. Und die wollen alle in diesen Zug. Um so glücklicher war ich, relativ schnell einen freien Platz zu erwischen. Er war am Ende des Waggons in einer Art Durchgangsbereich mit Blickrichtung auf die gegenüberliegende Sitzreihe. Wie es der Zufall wollte, betraten eine Frau mittleren Alters und ihre Tochter, die nicht älter als vier und fünf gewesen muss, den Zug. Vielleicht war die Frau auch jünger und wirkte aufgrund ihres Auftretens wie Mitte 40, wichtig ist das sie schon verdächtig aussah. Ja, ich bin ein Mensch mit Vorurteilen! Ja, ich bin da wirklich ein bisschen wie Cartman in Southpark: Diese Ökofritzen gehen mir einfach auf den Sack. Und genau so sah diese Frau aus. Sie hatte nicht sonderlich gepflegt wirkendes, rotes Haar, eine große, randlose Brille und trug ein weites, schwarzes, wallendes Gewand, dass wie irgendeine komische Mischung aus Poncho und Kleid aussah. Um den Hals trug sie eine Art afrikanisches Amulett, wahrscheinlich sollte das irgendein Kraft-Stein oder so was sein. Ihre Tochter hatte blonde Haare und war eigentlich ein süßes Geschöpf, wie mir später aber auffiel, waren ihre Klamotten schmutzig und die Haare für so ein kleines Mädchen auch schon ziemlich strähnig. Nichtsdestotrotz bin ich ja von Haus aus immer erst mal ein netter Kerl und konnte zu diesem Zeitpunkt sowieso noch nicht erahnen, welchen Hass ich auf die Mutter in ca. 80 Minuten Zugfahrt entwickeln würde.
Rechts neben mir war ein Platz frei, einen Platz weiter saß ein bereits ein Typ, neben dem wiederum ein freier Platz war. Die Frau fragte freundlich, ob er doch einfach an mich ranrücken könnte, damit sie zwei Sitze nebeneinander für sich und ihre Tochter hat. Kein Problem. Doch kaum saßen die beiden, bemerkte Mama, dass gegenüber eine ähnliche Platzsituation vorherrschte. Sie stand auf, fragte meinen Gegenüber: "Entschuldigung, könnten sie bitte zusammenrutschen, damit ich mich mit meiner Tochter dahin setzen?" Und wechselte auf die andere Seite. Währenddessen murmelte sie irgendwas zu ihrem Kind von wegen "ist doch besser hier". Okay, auch nicht weiter schlimm. Die Situation stellte sich aber nun so dar, dass zur Linken des kleinen Mädchens zwei weitere Plätze frei waren unter denen sich aber eine Reisetasche befand. Daneben saß ein weiterer Mitfahrer einsam und verlassen in einer Ecke, der wahrscheinlich in diesem frühen Stadium bereits ordentlich angefressen von der Frau war. Und spätestens als sie nun offenbar ein drittes Mal die Absicht hatte, den Platz zu wechseln, indem sie ihn fragte: "Entschuldigung, wissen, ob die Plätze alle beide besetzt sind?" platzte er. "Keine Ahnung, Weiß ich doch nicht, Mann. Ist doch auch völlig egal. Bleiben sie doch jetzt einfach, wo sie sind."
Ich fand das irgendwie noch voll belustigend, kuckte rüber zu dem Typ, der das aber nur mit einem genervten Kopfschütteln entgegnete. Die Frau und ihre Tochter blieben auf ihren Plätzen. Als sich also alle auf ihren Sitzen eingefunden hatten und der Zug fuhr, begann die Dame damit, ihrer Tochter die Schuhe und Socken auszuziehen und garnierte dies mit einem köstlichen "Oh, du hast aber ganz schön geschwitzt an den Füßchen. Ganz nass, deine Socken." Sie selber trug übrigens geschätzte 1 cm dicke graue Baumwollsocken, die zwischen ihrem schwarzen Gewand und ihren ebenfalls schwarzen halbhohen Oasics hervorblitzten. Ich habe gebetet, dass sie sich dieser bitte nicht entledigt. Meine Gebete wurden erhört. Versteht mich nicht falsch, es ist nichts Schlimmes, einem Kind im Zug die Schuhe und so auszuziehen, ich will jetzt auch nicht pingelig sein oder so. Aber spätestens, wenn dann die Tochter anfängt, von ihrem Platz aufzustehen, quer durch den Waggon auf und abläuft, sich auf den Boden setzt (alles BARFUSS!) und sich dann auch noch hinlegt, in den Gang zwischen den Leuten die da sitzen, dann ist das einfach etwas eklig und man meint einfach, die Mutter sollte mal einschreiten. Was macht sie stattdessen? Sie lächelt, guckt auf den Boden zu ihrem barfüßigen Kind und freut sich, wie viel Spaß sie hat. Überlegt euch das bitte. In diesem Zug sind tagtäglich mehrere hundert Leute. Die standen vorher am Bahnhof. Sie liefen durch Hundescheiße und Pisse. In diesen Gängen sitzen manchmal auch Punker. Sie trinken Bier, billigen Wein oder Sekt. Sie verschütten das. Durch den Zug laufen Hunde, verlieren Haare und verteilen Schmutz. Sichtbaren Schmutz! Dieses Kind suhlte sich darin. Die Mutter lachte. Ich wollte kotzen. Dieses Kind kann nichts dafür!

Doch es ging weiter. Als das Mädchen genug hatte vom Rumtollen im Dreck, wollte es fotografieren. Sie entnahm die Digitalkamera aus dem Rucksack der Mutter und begann, damit alles und JEDEN zu fotografieren. Wie es in der kindlichen Natur eines so jungen Geschöpfes liegt, fragte sie die Personen, die sie frontal knipste natürlich nicht nach einer Erlaubnis dies tun zu dürfen, nein, und auch die liebe Frau Mutter hielt es keineswegs für nötig, ihr Kind darauf hinzuweisen, dass man die Leute vielleicht danach fragen solle, ob man sie auf das Speichermedium des Fotoapparates bannen dürfe. So fotografierte das Mädchen munter alle anwesenden Personen, teilweise auch mehrfach. Viele hielten bereits demonstrativ das Buch oder die Zeitschrift, welche sie gerade lasen, vor ihr Gesicht, andere drehten sich einfach weg, genervt davon, dass die Kleine den Spaß auslebte, andere Leute zu belästigen. Dieses Kind kann nichts dafür!

Als nächstes wollte sie kuscheln. Sie hatte dafür eine Stoffwindel, die sie zu einem Knäuel zusammenwickelte und sich damit an die Schulter der Mutter kuschelte, tat dies aber nicht lange! Dieses Teil schliff natürlich auch mehrmals durch den Dreck und sah mit den ganzen Flecken auch danach aus, als würde es das regelmäßig tun. Diesen Fetzen band sie auch mehrmals um Arme und Beine des Typen auf dem benachbarten Sitzplatz, was dieser anfangs noch lustig fand, später aber anscheinend wohl auch eher nervig. Sie schlug die Windel um sein Bein und zog ständig daran. Statt dass die Mutter vielleicht mal sagte "Lass mal jetzt den Onkel in Ruhe und ärgere ihn nicht weiter" oder irgendetwas ähnlich geistreiches tat sie... nichts. Die Kleine lachte und schrie rum. Mittlerweile bis kurz vor der Ankunft in Berlin. Es nervte einfach. Mein iPod lief auf voller Lautstärke. Es half nichts. Dieses Kind kann nichts dafür!

Irgendwann dann beruhigte sich die Situation für einen Moment und Mutter und Tochter sahen sich gemeinsam Handyfotos oder so an. Währenddessen lutschte das Kind übrigens an dem afrikanischen Kraftstein, dem die Mutter um den Hals trug, was auch irgendwie eklig war, aber die Mutter natürlich nicht störte. Als diese qualvolle Horrorfahrt schon beinahe beendet schien und der Connex bereits im Berliner Stadtgebiet verkehrte ertönte die Kinderstimme von gegenüber wieder: "Mama, muss kackern." Hach ja, so sind die Kinder eben. Immer in den unpassendsten Momenten. Es half nix. "Oh, na gut, dann schnell" und beide verschwanden auf der Toilette. Es ging sehr schnell. Verdächtig schnell. Beide kamen nach bestimmt nicht ganz einer Minute vom Topf zurück und ich möchte gar nicht wissen, ob diese Hippietante ihr Kind überhaupt ordentlich "gesäubert" hatte. Dann die ekligste Aktion des Tages. Das Kind rannte völlig aufgekratzt aus der Toilette, rannte von Person zu Person und wischte seine Hände an den Ärmeln der Leute ab. Unter anderem an dem Typen, der sich schon gleich zu Beginn über die Mutter aufgeregt hatte. Daraufhin schüttelte er sich angewidert seine Ärmel trocken, blieb dieses mal aber leider still. Diese Aktion war übrigens die Erste(!!), auf die die Mutter auch mal reagierte, in dem sie die Tochter wegzog und sie ausnahmsweise auch mal ermahnte. Aber wie gesagt. Das Kind kann halt nichts dafür!

Was ich damit also sagen will: Das Ganze hört sich vielleicht für viele nicht weiter schlimm an oder mag vielleicht die Aufregung meinerseits nicht wert sein, aber Leute bitte, erzieht eure Kinder! Das ist auch bei weitem nicht so schlimm, wie Kinder die in der Einöde auf Parkplätze scheißen und dafür nicht die Ohren lang gezogen bekommen, aber es ist nervig. Dieses Kind nervte und machte Mist und wurde dafür nicht ermahnt! Gebt euren Kindern Freiraum wie ihr wollt, aber bringt ihnen bitte bei, dass sie fremde Leute nicht einfach so belästigen sollen! Unterstützt sie dabei, reinliche Menschen zu werden! Fick die antiautoritäre Beziehung!

(Die Meinung des Verfassers dieses Textes deckt sich nicht zwangsläufig mit der der Chefredaktion)
thomas
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Kommentare:
guy incognito   21.12.2008
erstens: vielleicht sollte der Autor erstmal wissen, was antiautoritäre Erziehung überhaupt ist (http://de.wikipedia.org/wiki/Antiautoritäre_Erziehung hilft weiter) bevor er seine Ressentiments abspult. wäre dann nicht ganz so peinlich gewesen. zweitens: wie lächerlich ist es denn, im Zug während der Situation seinen Mund offensichtlich nicht aufzubekommen, sich dann aber später im Internet in zu langen Texten darüber zu echauffieren?

@ incognito   21.12.2008
War wohl deine Mutter,wa? Hättest als Kind auch öfters mal eine auf den Hintern bekommen sollen du Ökofuzzi...

anonym12   26.12.2008
so what? und die lösung ist jetzt Bestrafung und Prügel? wohl eher nicht

Analytics   12.01.2009
Du hast keine Ahnung davon, was Antiautoritäre Erziehung wirklich ist, oder Thomas? Mit dem, wie die Frau ihr Kind offensichtlich (nicht) erzieht, hat das mal überhaupt nix zu tun. Wennn du schon Blogs zu solchen Themen schreibst, dann informier dich doch bitte vorher wenigstens minimal darüber...