Hip Hop is dead.... Ich muss ehrlich gestehen, ich habe mir noch nie so wirklich Gedanken um diese Aussage gemacht, weder konnte ich nachvollziehen warum sie solch eine Kontroverse hervorgerufen hat. Das einzig Seltsame daran ist, dass Rap und Hip Hop, so wie alles andere auf dieser Welt, sich dauernd veränderten und keiner vorher behauptete sie seien tot. Eine Sache entsteht, sie ist umstritten, sie wird gehasst, sie wird gemocht, sie findet Anhänger, sie wird geliebt, auf einmal wird sie Trend und kurz darauf folgt die Übersättigung. So ist das mit Musik, mit Bezirken, mit Mode, mit allem Möglichen. Rap kam aus dem Untergrund, von der Straße für die Straße ins Radio und jetzt scheinbar in die Boutiquen der 5th Avenue.
Natürlich verstehen die meisten den Zeitpunkt der Entstehung eines Genres, als den Moment an dem es von ihnen individuell entdeckt wurde und so geht jeder durch die oben genannten Phasen nur zu verschiedenen Zeiten. Je nach Alter und/oder Generation macht man gewisse Erfahrungen natürlich zu seiner Zeit aber ich will hier nicht zu weit ausholen. Schwenken wir den Fokus zurück zum Thema. Also, Hip Hop. Ich muss von meiner Seite aus sagen, dass ich ein absoluter Hip Hop-Hörer bin mit Betonung auf Hörer, d.h. ich mag smoothe Beats, New York Beats, Hardcore Beats und vor allem gute Lyrics. Wenn der Kopf nickt, die Hüften im Takt schwingen und an eine ganz bestimmte Zeit erinnern, dann ist es einfach gute Musik, PUNKT! Meine Zeit mit Rap hat in den 90ern angefangen. Zu dieser Zeit war natürlich eine Bahamadia keine Roxanne Shante mehr und eine Da Brat bestimmt keine MC Lyte. Rah Digga und Foxy Brown waren unterschiedlicher denn je, entsprangen aber beide der Lyricist Lounge. Sie waren alle unterschiedlich und Hip Hop war anders. Es wurde komplexer, die Reime schneller, die Gesichter immer unterschiedlicher. Hip Hop wurde zum Business. Das ist schade aber trotz allem hat ein Rakim nie einen Nas gedisst oder Ähnliches. Rakim ist mit dem Flow mitgegangen, Premo machte seine Beats, es gab The Firm, Junior M.A.F.I.A., Flipmode Squad und es gab Beef, ja, aber kein Old-School-Rapper warf den Jünglingen vor sie hätten Hip Hop getötet. Heute gibt es einen gealterten Ice-T, der einem iced out Vollzeit-Spast wie Souljah Boy sagt, er hätte Hip Hop eigenhändig umgebracht. Was Souljah Boy betrifft, denke ich genau so. Eigentlich sollte er nicht mal in diesem Blog vorkommen.
Hip Hop und R’n’B mochte ich von Anfang an und lernte es zu lieben denn sie haben mich durch die geilsten Phasen meines Lebens begleitet. Ich hatte bis vor zwei Jahren noch ein Auto, in dem nur ein Tape-Deck war. Ich verbrachte, bis der Wagen verkauft wurde, manchmal Nächte damit meine CDs zu ordnen, die Lieder zu notieren, sie in passende Sektionen aufzuteilen und Mixtapes zu machen. Als ich 11, 12 Jahre alt war schlich ich mich nachts aus dem Zimmer um Yo!Raps, MTV Amour, oder auch VH1-Groove mit Love Newkirk aufzunehmen. Meine Lieblinge sind bis heute, SWV, Blackstreet, Jade, KP and Envy, Ghosttown DJs, Pete Rock&CL Smooth später kamen die Artifacts, Lost Boyz, Masta Ace, Bucwheed, The Pharcyde, Common, Gangstarr... Ich könnte bis übermorgen hier sitzen und weiterschreiben. Damals prahlte Puff Daddy "10 years from now we’ll still be on top, parallel bellte DMX "stop bein greedy" die Digable Planets kümmerten sich mehr um ihre "Black Egos" und verschwanden erst mal von der Bildfläche.. Ich mein wer hörte nicht gerne Malik a.k.a Phife Dawg rappen: "I like 'em brown, yellow, Puerto Rican or Haitian/Name is phife dawg from the zulu nation"....
Damals gab es Jams und BBQs an Seen mit guten Live-Acts; und je älter ich wurde, desto öfter chillte ich mit meinen Freunden, kramte nach alten Liedern um sie ihnen vorzuspielen und sie in unsere Schulzeit zurückzuschicken. Natürlich hört sich das jetzt an, als sei ich 80 Jahre alt aber nach 2000 oder so, fing eine ganz eigenartige Ära an. Ich glaube ab da habe ich Rap zu einem lebendigen Museum gemacht, als wollte ich nichts Neues annehmen und meine Rap-Werte konservieren oder so was. Als müsste ich etwas aufgeben, was ich nicht loslassen wollte. Diese Übersättigungsphase fing an und ein musikalischer Geschmack entwickelte sich eher zurück, und fand sich in einer vergangenen Zeit wieder, von der ich eigentlich überhaupt kein Teil war.
Als Master P und die No Limit Soldiers riesige Erfolge feierten, dachte ich echt es ist vorbei mit Rap. Rap hatte NYC, Frisco und Oakland verlassen.. In NYC blühte die Gentrification und alle kehrten Rap den Rücken zu und widmeten sich lieber House zu.. Ich höre das Gleiche wie vor zehn Jahren und Q-Tip sowie Nas diagnostizierten Rap als tot. Krass, dachte ich. Man stelle sich vor wie Krumb Snatcha sich fühlte der schon vor dieser Zeit fand "Hip Hop has been infected by the gangster disease".
Vor kurzem dachte ich echt, okay Mann, schlimmer kann es nicht werden und genau dann tauchten ein paar Herren auf, die ich vor einem Jahr oder was noch gar nicht beachtet habe, die jetzt dafür wie von oben herab gesandt scheinen. Einige von ihnen kommen mit einer Musik, die frisch klingt, die Mr. Hip Hop ein ganz neues Gesicht verleiht. Nach der Übersättigung und dem Einsturz des Hip Hop-Kurses, sind folgende Jungs im Qualitätssieb hängen geblieben. Zwar finde ich sie lyrisch nicht alle ÜBER fresh aber sie sind so was wie Hoffnungsträger. Eine Art Resurrection of Hip Hop. Was mir dabei aufgefallen ist, ist dass Rap von New York nach Cali ging, von Cali nach MidWest, in den Süden und zurück zur Ostküste. Mr. Hip Hop kommt jetzt von überall her. Hipster aus der Bay Area oder New York, mit viel Attitüde noch mehr Genies aus Cleveland mit lässigem Swag, ja selbst die rappenden Skater sind wieder zurück! Hip Hop hat das Proletariat aufgegeben und sich, wie Eliza Doolittle, in die Bourgeoisie eingeschlichen. Aber natürlich haben sie auch ein paar Poser im Gepäck.. Wie sollte es auch anders sein? Gut, dass das XXL-Mag bereits einwenig Vorarbeit geleistet hat, indem es die "Freshmen '09" wählte. Nur um sich mal einen leichten Durchblick zu verschaffen hier ein paar davon:
Curren$y - Da Hot Spitta, der zusammen mit Weezy auf "Where Da Cash At” zum ersten mal auffiel und auf mehreren Mixtapes zu hören ist. Den Track an sich fand ich übertrieben gut aber dem Hot Spitta musste ich doch skeptisch gegenüber treten weil er irgendwie an Mase erinnert. Man muss aber zugeben, wenn man ihm länger zuhört, dass dieser Junge ernsthaft flowen kann. Gesigned war er bis zum 16. Dezember 2007 bei Carter’s Young Money Records.
Ace Hood dürfte mittlerweile den meisten ein Begriff sein. 2006 brachte ihn "War Time Is Now" von Stan van Samang in DJ Khaled’s Obhut. MTV zählt ihn zu seinen Fab 5 des Sommers 08. "Cash Flow" ist seine aktuelle Single, zu finden auf dem Album "Gutta".
"New york to the heart, but got love for all/Lie and die in the fire, where i learned to ball” / kommt euch diese Line nicht furchtbar bekannt vor? Genau, die Line, die in keinem Club, keinem Radio gefehlt hat. Peter Gunz kickte diese Lines in der ersten Strophe von "Deja Vu", der ultimativen New York-Hymne! Ha! Oh ja, und der dritte hier ist kein geringerer als Mr. UPTOWN BABY UPTOWN BABY’s Sohn Corey Gunz! Und wieder hat hierbei Weezy als Sprungbrett fungiert und featurte den Sprössling auf seinem Mega-Hit "A Milli" gefeaturt.
Ebenfalls aus dem Big Apple, genauer noch aus der Bronx, stammt Mickey Factz, auch wenn dieser eher nach Lower East Side aussieht. Während alle versuchen Hip Hop zurückzubringen als sei es tatsächlich je weg gewesen fragt er sich "Why bring it back, when I can move it forward?” Ob er das wirklich kann, überlasse ich eurem Urteilsvermögen. Ich habe einfach keine Meinung zu seiner Musik, etwas, was wirklich erschreckend selten passiert. Mit ihm fängt hier aber die Hipster Hop-Sparte an, die all die zum Rap zurück holt, die damals weinend Elektro/Minimal House -Mucke in die Arme gelaufen sind, kurz gesagt Berlin-Mitte.
Wale D.C. ist 24 und nigerianischer Abstammung. Bekannt wurde zunächst regional und bekam als erster nach DJ Kool 1990 BDS Spins für seine Single "Dig Dug". Seitdem ist er als Feature überall zu hören gewesen, Kardinal Offishall, Lupe Fiasco, M.I.A. und einige andere Hipster (Kardi ausgeschlossen). Trotz endloser Features und Mixtapes, veröffentlichte er bisher nur eine Single namens "Nike Boots" im Jahr 2007.
Wale’s Kollege Kid Cudi, mit dem er "Is there any love" aufnahm, hat es in sehr kurzer Zeit weit gebracht. Er wird zuletzt auf Kanye’s aktuellem Album "808’s & Heartbreaks" gefeaturet, dessen Aufmerksamkeit er mit "Day n Nite" auf sich zog um kurz darauf mit DJ AM bei den VMA’s 2008 zu performen.
Das Hipstertum erreicht mit Asher Roth wirklich ganz neue Dimensionen! Dieser Junge ist so interessant wie die Stadt aus der er kommt / Morrisville / und so hässlich wie der Staat, indem sie liegt / Pennsylvania! Er ist ein Albino-ähnlicher College-Boy und hat so eine Vorort-artige Polo-Shirt-tragende-Pseudo-politische-Correctness an sich, die bei mir auf alles andere als Begeisterung stößt. Sowas wie der Napoleon Dynamite des Rap. Man muss ihm aber seine Skills lassen. Er hat Skills, Kollabos mit DJ Drama und bekommt Komplimente von Steve Rifkind, der behauptet Asher sei der beste Lyricist seit langem. Ich weiß nicht woher das kommt. Vielleicht ändere ich meine Meinung über ihn ja auch bald.
B.O.B. South ist er nächste Lupe Fiasco, in buntem T-Shirt, Röhrenhose, Vans der mit einem 3-Finger-Ring an den Saiten seiner GITARRE zupft. Er ist aus Georgia und ein wirklich interessanter Charakter, so was wie ein kontemporärer, lässig aussehender Hendrix. Wenn man ihn sieht, könnte man denken er ist ein verlorenes Mitglied des Anti-Pop-Consortiums, dass sich entschied nach Berlin zu ziehen um Techno-Musik zu machen, doch wenn er anfängt zu spielen und zu singen wird es interessant. Manchmal rappt er auch. "Who The Fuck Is B.O.B?" heißt das Album und so ist es auch. Er lässt die Medien im Dunkeln tappen, es ist wahrlich schwer, mehr über ihn rauszufinden. Trifft nicht ganz meinen Stil aber man muss ihm seine Einzigartigkeit lassen. Natürlich gesigned beim King of the South / Grand Hustle.
Charles Hamilton rundet die Sache hier fein ab. Ja, der mit dem Sonic-Ding auf seinem T-Shirt. Er ist das intelligente Produkt einer Post-Sega-Genesis-Generation der, wenn er nicht gerade heftig rappt oder produziert oder für andere schreibt, der Welt erklärt warum er die Farbe rosa trägt. Und zwar weil Rosa die Farbe des weiblichen Organs ist, in dem ein Mann eindringt um neues Leben zu kreieren...................................................................................... ................................................................................................................................................... Das waren Punkte der Fassungslosigkeit.
Okay, nach all den noch leicht verwirrenden Aufs und Abs will ich euch mit zwei Herren bekannt machen, die ich ruhigen Gewissens auf den Newcomer-Thron setzen kann. Blu & Exile. Smooth, easy, gute Lyrics, harmonisierende Vocals, einfach lässig. Die zwei stammen aus Oakland/Kalifornien und werden uns noch lange ein Begriff sein. Zu ihnen will ich nicht viel sagen. Mir gefällt einfach ihre Musik denn sie ist simpel und doch wieder nicht. Und wenn sie doch simpel ist, dann ist sie bloß künstlerisch darauf fokussiert. Sollte Hip Hop jem als tot gewesen sein, so haben diese Zwei ihn wieder auferlebt. Fortsetzung folgt
kingy 29.11.2008 hallo,
wenn man schon veruscht, sich mit solch hochtrabenden vokabeln zu proffilieren, sollte man sie zumindest richtig schreiben können.
bourgeoisie schreibt man mit OU.
heiligeremilius 30.11.2008 Currensy ist nicht mehr bei Young Money/Cash Money. Gruß und Lob für die immer interessanten Blogs!
-heiligeremilius
DRX 01.12.2008 ja irgenwie so ähnlich hab ich die 90iger und den anfang des neuem jahtausends auch mitgenommen ;) ... ausser das ich 2002 lieber D rap den rücken gekehrt habe. aber hab nur ich das gefühl das von den "newcommern" jeder der nicht bei cash money ist nicht unbedingt gut wegkommt ?
also grad Asher find ich flowtechnisch ... um einiges besser als den rest ... achnee stimmt das waren ja wieder die verstaubten werte ;)
Peace