Eine ganz besondere Halloween-Party

Gestern war Halloween, das Fest also, an dem nach dem keltischen Mythos die Seelen der Toten an ihre Heimstätte zurückkehren. Wo also könnte man dieses Fest passender verbringen als mit einer Horde verrückter Kids, die meisten davon mit Sturmmasken, einige auch wahlweise als Anonymous, Massenmörder, Bunny oder Schwein verkleidet? Genau, nirgends.

Also auf zum Berliner C-Club, wo sich die Elite des Berliner Untergrunds gestern Abend die Ehre gab, um unter dem Motto "Free Blokk" die Freilassung der Berliner Rapper Blokkmonsta und Hässlich Rap zu fordern. Blokk sitzt seit mehreren Wochen in Untersuchungshaft (rap.de berichtete). Das pompöse Line-Up umfasste u.a. Frauenarzt & Manny Marc, Silla, B-Tight, Orgi69, Schwartz von Hirntot, Trailerpark, Splittergruppe, MC Bogy und Basstard.
 

Gegen 19 Uhr ist vor dem C-Club schon ganz gut was los. Die meisten Besucher sind männlich, gerne tättowiert, viele auch im Gesicht, was man aber nur dann sehen kann, wenn sie keine Gasmasken oder ähnliches tragen. Immer wieder brechen kleinere oder größere Gruppen in "Free Blokk"-Sprechchöre aus, ein paar ganz besonders Aufgeweckte wandeln die Parole frech in "Free Eintritt" um. Vergeblich, auch sie müssen bezahlen.
 
Drinnen schwingen zwei knapp bekleidete junge Damen die Hüften und heizen den Zuschauern schon mal gehörig ein. Nach zwanzig Minuten verlassen sie die Bühne, wenige Augenblicke später steht Kaisa auf der Bühne und eröffnet die Show mit einer Salve von Konfettikanonen – lasst die Spiele beginnen. Unterstützt von seiner Band Splittergruppe feuert er dann auch den musikalischen Startschuss ab. "Wisst ihr, für wen wir hier sind?", brüllt er in die Menge. Die antwortet erneut mit "Free Blokk"-Sprechchören – es werden nicht die letzten an diesem Abend bleiben.
 
Schnell wird klar, wegen wem besonders viele Fans heute Abend gekommen sind. "Orgi, Orgi" schallt es immer wieder durch den Saal. Zunächst betritt aber Moderator Stefan Tanz die Bühne und kündigt die 4.9.0 Friedhof Chiller aus Osnabrück an. Direkt danach übernimmt Blokks Hirntot-Kollege Schwartz, der passend zu seinem Namen ganz in schwarz gewandet erscheint und das Publikum gut in Fahrt bringt. Offenbar überfordert sein Auftritt die Technik allerdings etwas. Das Laptop schmiert ab, so dass Stefan Tanz in seiner anschließenden Moderation erstmal eine Weile den Alleinunterhalter spielen muss, bis die Techniker die Sache wieder im Griff haben. Ob da vielleicht irgendwelche bösen Geister ihre Finger im Spiel hatten?
 
Egal, denn nun ist es Zeit für Orgi, wie gesagt einer der heimlichen Stars des Abends. Allerdings wirkt der Erfinder des Porno-Raps an diesem Abend etwas derangiert, mehrmals verpasst er seinen Einsatz. Dem Publikum ist das aber völlig egal, sie feiern den Lockenkopf, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Auch Trailerpark liefern eine gute Show und werden von den Fans ausgiebig bejubelt, besonders ihr großer Hit "Wohnwagensiedlung". Danach kommt nochmal Schwartz zum Zug und nutzt die Gelegenheit, ein paar Seitenhiebe in Richtung Selfmade Records zu verteilen. Und schon geht es weiter mit den nächsten Act, denn aufgrund des immens großen Line-Ups tritt jeder Künstler nur etwa eine Viertelstunde lang auf.
 
Auch der Atzenkeeper Bogy darf sich über geradezu euphorische Reaktionen des Publikums freuen. B-Tight lässt es sich ebenfalls nicht nehmen, ein paar seiner Hits zum Besten zu geben, darunter eine Acapellaversion von "Der Neger", die fast alle mitrappen. Als wäre das noch nicht genug, reißen nun auch noch die beiden Atzen, Manny Marc und Frauenarzt die Hütte ab. Als die beiden mit "Disco Pogo" loslegen, bebt der Boden, und das ist ausnahmsweise keine stilistische Übertreibung, die der Veranschaulichung dienen soll – der Boden bebt wirklich. Auch ihre beiden anderen Riesenhits "Hey, das geht ab" und "Strobo Pop" dürfen natürlich nicht fehlen. Die Stimmung erreicht jetzt ihren Höhepunkt, der ganze Saal ist am Springen, Pogen, Rumschreien.
 
Das dergestalt durchgewalkte Publikum übernimmt dann ein gutgelaunter Basstard, der ebenfalls lautstark gefeiert wird, besonders den Song "Basstard City". Es kommt schließlich Silla zu, den Schlusspunkt unter ein Konzert zu setzen, das die Bezeichnung denkwürdig durchaus verdient hat. Dabei fällt auf, dass der Maskulin-Soldat gerade auch bei den nicht ganz so zahlreich erschienenen Vertretern des weiblichen Geschlechts sehr gut ankommt, das Kreischlevel erreicht schon fast Take-That-Niveau.
Dann ist der Spuk vorbei, die Halle leert sich so langsam und über allem steht ein schmaler Halbmond, der die Nacht ein bisschen heller macht. Aber nicht sehr…
 

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