J Dilla – Dillanthology 2

Wie kommt es eigentlich, dass J Dilla immer zu mit 2Pac verglichen wird? Aber nun gut, vergleichen wir doch mal. Bei 2Pac handelte es sich um einen Künstler, der bereits mit seiner früheren Crew Digital Underground erste Erfolge feierte und später eine noch viel beachtlichere Solokarriere hinlegte. Darüber hinaus war Pac ein gefragter Schauspieler. Er starb schließlich auf dem Höhepunkt seines Erfolges, als Speerspitze des kommerziell alles überrennenden Deathrow– Labels. Sicherlich trug sein plötzlicher Tod maßgeblich dazu bei, seinen Status als gefeierter  Überrapper auszubauen, hin zum Jesus des Hip Hops samt eigenem Auferstehungsmythos, Verschwörungstheorien noch und nöcher, sowie verwirrtes Doppelgänger Gefasel, wie es zuletzt höchstens bei Elvis der Fall war. Aber, um das noch einmal klar zu stellen: Tupac Shakur war bereits zu Lebzeiten “Larger than Life“, oder gab es Mitte der Neunziger neben Notorious B.I.G. einen relevanteren MC?J Dilla hingegen gehört wohl zu den sträflich übersehendsten Figuren dieser Hip Hop Kultur. Niemand interessierte sich für den Mann aus Detroit, außer ein paar geschmackssichere U.S.- Größen, wie beispielsweise Common, Busta Rhymes oder Q- Tip. Für den Normalhörer jedoch war Dilla nie ein Thema. Sein erstes, reines Produzenten Album für BBE Records verstaubte weltweit in den Regalen und blieb zumindest kommerziell weit hinter den Erwartungen zurück. Ähnlich erging es dem Madlib-Kollaborationsprojekt Jaylib, das von Kritikern wie von Fans mittlerweile als moderner Klassiker gefeiert wird. Nicht mal im Untergrund fanden die großartigen, ersten beiden Alben seiner Crew Slumvillage maßgebliche Beachtung. Genau genommen gelang James Yancey der Sprung in die amerikanischen Billboard-Charts tatsächlich das erste Mal mit seiner posthumen Veröffentlichung “Jay Stay Paid“, zusammen getragen von der Mutter des Ausnahmeproduzenten, “Ma Dukes“ und dessen wichtigstem musikalischen Vorbild, Pete Rock.
Unterm Strich bleibt also nicht viel stehen, wenn man die Karrieren der beiden stilprägenden Ikonen vergleicht. Aber es gibt noch einen weiteren Punkt, der die zwei Künstler maßgeblich unterscheidet, nämlich deren Nachtodveröffentlichungen. Auf den ersten Blick wird mit beiden Leichenfledderei übelster Sorte betrieben, da hören die Gemeinsamkeiten aber bereits auf. Während in Tupacs Fall teils schleimige, geldgierige Produzenten einen käsigen Beat nach dem anderen unter die Audiospuren des Westcoast-Helden legten und so ziemlich alles zum Feature einluden, was jemals ein Mic in der Hand hielt, sodass der arme Pac in seinem Grab vermutlich auf Heavy Rotation ging, sucht man im posthumen Gesamtwerk von ehemals Jay Dee vergeblich nach kreativen Ausfällen. Jedes noch so berechnende, pseudo-Tribut-Mixtape (Schäm dich, Charles Hamilton), jede vage Zusammenstellung von Remixen und B- Seiten, kann qualitativ absolut überzeugen.

So auch die vorliegende „Dillanthology 2“. Natürlich macht sich das Label, über das diese Compilation erscheint, der mehrfachen Leichenschändung und Geldmacherei schuldig, aber wer kann es ihnen verübeln, wenn dabei so großartige Musik herausspringt? Ich als Nachgeborener bin jedenfalls froh, nicht die nächsten zwei Jahre auf dem Flohmarkt verbringen zu müssen, nur um in den Genuss dieser raren Perlen zu kommen.

Dilla gelingt es auf unnachahmliche Art und Weise, selbst unzerstörbaren Klassikern wie Busta Rhymes´ “Whoo Ha“, im Remix einen komplett eigenen Stempel aufzudrücken und den Track somit in einem komplett anderem Licht erscheinen zu lassen. Aus dem ursprünglichen Ausraster wird plötzlich eine “Laid back“ Nummer. Für den “Sittin on Chrome“ Remix wird Masta Ace im Verbund mit Q- Tip als The Ummah, ein Beat zugeschustert, der sich auch locker auf dem “Midnight Marauders“ Album hätte behaupten können. Das ohnehin im Original schon großartige “Fall in Love“ von Slumvillage, geht in der Remix Version ebenfalls in eine andere Richtung, ohne das man hinterher sagen könnte, welche Version die bessere ist. Mit Remixen für das Detroiter Elektro-Kollektiv Four Tet, Spacek oder DJ Cam, bekommt man darüber hinaus noch einen kleinen Einblick in die spätere Schaffensphase des Vollblutmusikers. Hier kommt dann auch wieder einmal Dilla-Liebling Guilty Simpson zum Einsatz, wie auf dem “As Serious As Your Life“ Remix oder seine langjährigen Weggefährten Frank and Dank auf Spaceks “Eve“.

Erstaunlicherweise versammeln sich hier Tracks aus zwei Dekaden und trotzdem lässt sich das sogenannte „Album“ wie aus einem Guss hören. Alles in allem handelt es sich bei der zweiten „Dillanthology“ um eine Ansammlung vieler großartiger Stücke, die man Niemandem vorenthalten sollte, dennoch bleibt der schale Beigeschmack der Leichenfledderei bestehen. Reinhören sollte man aber auf alle Fälle, sofern man die angesprochenen Remixe und Raritäten noch nicht sein Eigen nennt. Weil bei Zusammenstellung jedoch ein roter Faden fehlt und diese stellenweise ziemlich wahllos wirkt, gibt es jedoch nur fünf von sieben Punkten. Trotzdem natürlich hervorragende Werke eines Ausnahme-Musikers. Wer sich die Musik schon aus dem Internet zieht, sollte zumindest die so gesparten 15 Euro an die Lupusstiftung des Künstlers spenden.

In diesem Sinne, “Raise it up!“

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