Killah Priest – The Offering

So richtig möchte man sich nicht an die Praxis der Plattenveröffentlichungen gewöhnen, oder? In einem Interview letzten Jahres (www.rap.de/features/614) war Killah Priest noch der festen Überzeugung, dass „The Offering“ noch in 2006 erscheinen würde. Aber wie sollte es anders sein, es hat natürlich wieder länger gedauert. Jetzt endlich ist Album Nr. 6 da und man darf gespannt sein, was KP auf seiner fortlaufenden Suche nach der Wahrheit entdeckt hat.
Rein handwerklich erlaubt sich Mr. Reed keine Patzer, dementsprechend kann man von einem sehr soliden und runden Album sprechen. Die 64:22 min., aufgeteilt in 17 Tracks, werden hauptsächlich durch dunkle, leicht melancholische Beats bestimmt. Bei solch einer musikalischen Untermalung wird man, meinem Empfinden nach, zwischendurch recht nachdenklich. Allerdings dürfte das ganz im Interesse Killah Priests sein, ist dies doch eines seiner selbst erklärten Anliegen. Den größten Teil seiner Songs bestreitet KP alleine, zum Rest gesellen sich anerkannte Rapper wie z.B.: Nas, Immortal Technique, Hell Razah, Canibus, Ras Kass und Kurupt. Auch sie lassen technisch keine Fragen offen. Inhaltlich bleibt der Gründer der Sunz of Man, seinen altbekannten Themen treu. Der Fan findet, wie gewohnt, reichlich biblische Bezüge vor und erfährt weiterhin vom täglichen Kampf im Ghetto und mit sich selbst. Letzteres ist z.B. auf Titel Nr. 2, „Salvation“, zu hören. Zum Titel passend, sind sowohl die Lyrics als auch der Beat recht dramatisch gestaltet. Wesentlich energischer geht es im darauf folgenden Song „Gun 4 Gun“ zur Sache. An der Seite von Nas wird klargemacht, dass man mehr als bereit ist, die eigene Mission zu Ende zu bringen und die Straße mit all ihren Problemen nicht vergisst. Ähnlich überzeugt, zeigt sich Killah Priest auf dem Song „Priesthood“. Hier sieht er sich sogar als neuer Rakim oder als Pharao of the Big Apple. Was aus meiner Sicht aber viel wichtiger ist, ist der Fakt, dass Priest seinen eigenen Style fährt: man erkennt einen Killah Priest sofort, wenn man ihn hört. Track Nr.8 macht mir persönlich schon Appetit, auf eine „Horsemen“-LP. Neben einer Online-Veröffentlichung vor einiger Zeit ist seit längerem auch ein ganzes Album angekündigt. Mit Canibus, Ras Kass, Kurupt und Killah Priest hat sich in diesem Projekt eine feine Anzahl von MCs gefunden, die solo oder eben wie hier im Zusammenschluss wunderbar miteinander agieren.
Der Titelsong spiegelt das Grand des Albums recht gut wieder; allgemein gesagt, wäre wohl deep die richtige Beschreibung. Allerdings sollte man sich vom Beat nicht über die Lyrics hinwegtäuschen lassen, ist der Song doch ein Aufruf, egal wie mies das Leben auch sein mag, seine Möglichkeiten abzuchecken. Zum Ende des Albums wird der Sound etwas heller und freundlicher. Titel 14 macht den Anfang, und eine Erklärung dafür könnte Young Priest sein, richtig, einer von Killah Priests Söhnen. Dieser ist im Chorus vertreten und darf auch ein paar Zeilen droppen. Eine coole Idee, wie ich finde, da es die angesprochene Problematik, „The PJs“, nicht auf den Rapper bzw. Erwachsenen beschränkt, sondern aufzeigt, dass auch die folgende Generation kaum Verbesserung erfährt.
Mit „The Offering“ hat Killah Priest, wie anfangs gesagt, ein grundsolides Werk abgeliefert. Zum Schluss bleibt es ein Tonträger sowohl für den Fan als auch für den, der auf diesen Style steht. Doch aus meiner Sicht hat dieses Album einen ganz entscheidenden Vorteil. Es wird bei mehrmaligem Hören eigentlich nur besser. Also ruhig nach dem ersten Durchlauf noch mal einlegen. Des Weiteren sollte man sich die Texte genauer anhören und sich selbst vielleicht auch mal auf die Suche nach der angeblichen Wahrheit begeben. In diesem Sinne: haltet euch gerade!

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