Texta – Paroli

Ist „Paroli“ das Abschiedsalbum von Texta? Ist es wirklich „Der letzte Schrei“ der Österreicher, wie sie im so benannten Track voller Frust klagen: „Was ihr hört ist unser letzter Schrei, letztes Mal am Mic, unsre Zeit ist längst vorbei“?
Ja, es scheint wirklich, als sei ihre Zeit vorbei, jedenfalls wenn man die Mentalität im derzeitigen Rapgeschehen und auch außerhalb dessen betrachtet. Und so ist es auch kein Wunder, dass „Oldschooler“ wie Texta – wenn sie nicht schon längst ausgestiegen sind – großteils sehr verbitterte, negative Texte schreiben. Bis auf ein paar Ausnahmen sind alle Tracks auf „Paroli“ sehr „anti“.
Wie der Titel vermuten lässt, wird auf dem Album angeklagt und Paroli geboten – gegen das kopflose Konsumverhalten, gegen die Mitschwimm-Mentalität, gegen die Trägheit und gegen die daraus resultierende Vereinheitlichung in der heutigen Gesellschaft. Im Gegensatz zu den Zeiten, in denen Gruppen wie Public Enemy hypten, hat die Rebellion heute Auszeit, so klagt Texta in „Pause für Rebellen“ auf einem stark an PE angelehnten Beat. Die Crew geht im Track „Jugend ohne Kopf“ sogar so weit, die gesamte Jugend von heute dafür zu verurteilen, dass sie ihr Jung-sein für Playstation und Party vergeudeten. Im selben Stück wird die Anklage dann aber durch treffende Selbstkritik relativiert: „Was soll die Ironie in eurer Lebensart, wenn ihr gegen etwas ankämpft, das ihr selbst vertreten habt?“  Doch Texta wettert nicht nur gegen die Jugend und den Gangsta-Rap. Auch der Glaube muss dran glauben. In „Um Gottes Willen“ richten die Rapper angesichts der Glaubenskriege und der Gewalt die oft vom Glauben ausgeht – heute und in der Vergangenheit – ihr lyrisches Schwert gegen alle Religionen: „Religion ist das Gift, das die Welt zerstört“.
Ja, und dann kriegen es natürlich auch – klar – die USA ab. „Weltpolizist“ ist ein starkes unter die Haut gehendes Globalisierungs- aber vor allem Amerika-kritisches Stück: „Ich weiß, du willst doch nur das Beste für die Besten: weiße Westen für den weißen Westen“ Doch „Paroli“ enthält nicht ausschließlich negative Kritik. Die Rapper von Texta können die Welt auch locker und mit Augenzwinkern sehen, wie in „Kein Problem, bzw. der Mundartversion „Ka Problem, wo sie über ihre unheilbare Verplantheit rappen. Er steckt wohl in jedem, „der zerstreute Professor, der die Zeit nicht versteht“. Die Zeit und das Unverständliche an ihr ist ein zentrales Thema auf „Paroli“. So gibt es auch ein eigenes Stück namens „Zeit“.
Ja, und wo schon beim Thema „Zeit“ sind …: ist sie nun für Texta wirklich vorbei, so wie für den Boxer in „Die Faust, einem dramatischen Track über den letzten Kampf eines großen Boxers (nach dem Vorbild von Muhammed Alis legendärem letzten Kampf)? War das wirklich die „letzte Party, wie in dem Abschiedssong „Morgengrauen?

Texta war die erste Rapcrew, die ich live erlebte. Seitdem liebäugle ich ein wenig mit österreichischen Rap und alles was mit Texta zu tun hat (Die Unsichtbaren, Engelstaub, usw.) Ebenso, aber unabhängig davon, bin ich schon lange begeisterter Fan des österreichischen Neo-Volksmusik-Duos Attwenger, das – abgesehen von der gemeinsamen Heimat – eher weniger mit Texta zu tun hat und auch nur im weitesten Sinne ins Genre Rap passt. Als ich vor einigen Monaten dann aber ihre gemeinsame Kollabo, die Single „So schnö kaust gar net schaun“ (die auch auf dem Album ist) im Internet entdeckte, war ich begeistert – und gespannt auf das kommende Album.
Ich wurde in meiner Erwartung nicht enttäuscht. Texta steht weiterhin für schlauen, zeit- und gesellschaftskritischen Rap, vielseitig und musikalisch auf hohem Niveau. „Paroli“ ist ein gutes sechstes Album – und hoffentlich nicht das letzte.

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