Robin Thicke – The Evolution Of Robin Thicke

Ob es bei Robin Thicke noch einer Evolution bedurfte, nachdem der Mann mit seinem Debüt „A Beautiful World“, welches aus kommerzieller Sicht leider hinter den Erwartungen zurück blieb, schon eines der musikalischen Highlights des neuen Jahrtausends lieferte, sei mal dahin gestellt. Was der frühere Soapstar von „Unser lautes Heim“ nun mit seinem neuesten Streich zusammengestellt hat, ist jedoch noch näher am Etikett „zeitloser Klassiker“ als es der Vorgänger war. So gehört es sich auch für einen Perfektionisten, zu denen Robin branchenintern gezählt wird. Den Grammy besitzt er schon, Gold- und Platinplatten ebenso, nur leider bis dato nur durch Auftragsarbeiten für Szenegrößen wie Michael Jackson, Usher oder Mary J.Blige. „The Evolution Of…“ dürfte das nun ändern.

Für die Produktion ließ der Allrounder neben sich nur zwei weitere Produzenten ins Studio. Zum einen Pharrell Williams, der Robin gemeinsam mit Neptunes-Kollege Chad Hugo den seichten Background für die erste Single „Wanna Love U Girl“ auf den Laib schneiderte und nebenbei noch einen Sechszehner droppte. Ein sehr schönes Stück Musikgeschichte, dass hier gemeinsam geschrieben wurde, da es sich irgendwie nach Brit-Pop meets Jiggy-Future-Shit anhört, in der Kombination aber eine ganz eigene Ästhetik kreiert. Der andere Regelschieber, der seinen Stuhl an der Seite Robin’s plazieren durfte, war Pro J. Gemeinsam nahmen sie sich dann weiteren 15 Stücken an, die von einer hörbaren musikalischen Unvoreingenommenheit geprägt sind.

„Got 2 Be Down“ mit einer fabulös aufgelegten Faith Evans mag noch als RnB-Duett im Stil von „Gorgy, Porgy“ durchgehen. „Complicated“ hingegen ist weder Ballade noch RnB noch Soul, aber unbeschreiblich simpel und doch zugleich komplex. Anfangs mit einer Klaviermelodie als Ballade konzipiert wandelt sich der Track in der Mitte noch zu einem Uptempo-Blues – zumindest will Robin das so verstanden wissen, schmachtet er doch „I wish I could loose / all of my Blues“. Frauenherzen sollten beim emotionalen „Lost Without U“ in Mr.Thicke schon längst ihren neuen Darling ausgemacht haben. In Stimmlagen, die sonst nur von einem gewissen Michael Jackson oder Justin Timberlake erreicht werden, fleht der Protagonist seine Geliebte an, zurück an seine Seite zu kehren, da er ohne sie verloren scheint.

„All Night Long“ mit (No?)Homo-Rapper Lil Wayne hingegen lässt freudige Stimmung aufkommen und überzeugt durch die gute Interaktion zwischen Sänger/Rapper, welche auf „Shooter“ jedoch noch um Einiges besser funktioniert – wenn nicht gar perfekt – wobei der extraordinäre Beat hierbei auch keine untergeordnete Rolle spielen dürfte.

Rumba und Merengue tanzt man dann zu „Everything I Can’t Have“, einem eigenwilligen Salsa-Cover, das nach mehrmaligem Hören jedoch voll und ganz zu überzeugen weiß. „Can U Believe“, „2 The Sky“, „Lonely World“ und „Angels“ sind doch eher was für die Kleenex-Fraktion und ein zischendes „P***y“ wird hier und da mal von Hatern in Richtung Robin fallen aber eine Legitimierung erfährt diese Vulgärität nicht. Mr.Thicke ist halt mal – wie meinte Michael (Jackson) mal so schön zu Paul (McCartney) – „I’m a Lover not a Fighter“ – genau! Und da kann man sein Herz schon mal für die Öffentlichkeit öffnen. Hört sich auch wirklich gut an, muss man zugeben.

Wer zur heutigen, von Trends bestimmten Zeit noch ein so gefühlvolles Album, dass sich jenseits des Trends bewegt, auf den Markt bringt, dem gebührt Respekt. Robin Thicke ist kein Surfer, kein Wellenreiter. Er tritt jene lieber los. Und eine Rückbesinnung zur Epoche der grenzenlosen Musikalität, der Unikate, der Isaac Hayes‘ und der Stevie Wonder’s (ohne Thicke gleich in jene Liga hieven zu wollen) – wer würde sich dessen verschließen wollen? Die ersten Steine liegen schon (Justin Timberlake, Robin Thicke & John Legend)…

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