Ludacris – Release Therapy

Woran misst sich ein Musiker mit seinem fünften Album, wenn seine vier Vorgänger gefühlte tausend mal Platin gegangen sind. An Verkaufszahlen? Die Platte ging in den USA allein in der ersten Woche gigantische 300.000 mal über die Ladentheke. Also, Mission erfüllt. An der Relevanz der Scheibe für HipHop-Musik im Jahre 2006? Tja, das könnte es sein. Oder geht es ihm darum zu zeigen, dass er es immer drauf hat ganz oben mitzuspielen? Man bedenke, der Mann ist erst 29, hat eine Tochter und schon so viel erreicht. Da darf man sich ruhig einmal die Frage stellen, was da noch kommen soll.

Und was erwarten wir von der 5. Ludacris-Scheibe? Dem Rapper, der einige Zeit alles überstrahlte, überall präsent war und mit Aufkommen einer gewissen Gruppe um einen gewissen Curtis „I got 9 shots“ Jackson dann etwas in der Versenkung verschwand. Wir erwarten natürlich ein bombastisches Comeback!

Und dieses kündigt der Protagonist des Outputs bereits im „Intro“ auf eine Bombe von Beat von Vudu bereits selbstbewusst an. Es wird auch gleich, und das auch nicht das letzte Mal, mit Oprah Winfrey abgerechnet. Absolute Highlights sind außerdem „Money Maker“ mit Pharrell, das direkt in die Beine geht, "Girls Gone Wild", ebenfalls ein etwas schnellerer Songs aus der Neptunes-Schmiede und „Mouths To Feed“, das das ganze Business des Labelbosses, Rappers, Vaters, etc. unerwartet offen darlegt. Daran knüpft „Tell It Like Is“ nahtlos an und diese einzigartige Ehrlichkeit dürfte jeden Kritiker erst einmal entwaffnen. Weiterhin weiß Luda mit sehr gefühlvollen Songs zu beeindrucken. „Do Your Time“ mit Pimp C und C-Murder widmet sich Hoffnung stiftend allen inhaftierten Freunden und Kollegen der drei, und „Runaway Love“ dürfte in die Musikgeschichte als einziger legitimer und würdiger Nachfolger von Pacs eigentlich unnachahmlichen „Brenda’s Got A Baby“ eingehen.

Zu kritisieren wären die etwas große Anzahl von Slow Jams, die die Scheibe nicht unbedingt langweilig macht und dem Rapper auch Platz für überraschende Doubletime-Flows lässt, aber die Abwechslung der Scheibe zumindest ein wenig einschränken. Weiterhin ist R. Kelly ein absoluter Nervfaktor auf „Woozy“, dass sexy sein soll, aber einfach irgendwie rausfällt. Da schlägt sich Ludas Labelkollege Bobby Valentino  auf „End Of The Night“ schon besser.

Zusammengefasst stylt Luda so souverän, abwechslungsreich und eindringlich wie immer. Was sich sogar noch weiter verbessert hat, ist seine beeindruckend ausgefeilte Betonung, die jede einzelne Line zu etwas Besonderem macht. Er rechnet mit allen Hatern und vermeintlichen Beinstellern ab, und man hat das Gefühl, dass er sich seiner Sache nicht nur sicher ist, sondern dass er musikalisch zu Hause angekommen ist. Er weiß, was er will, bleibt aber deshalb noch lange nicht stehen. Die Instrumentale klingen überwiegend nach Southern Beats, was nicht sonderlich überrascht. Das sie aber deswegen weniger aktuell klingen, kann man auch nicht sagen.  Er zeigt also, dass er immer noch relevante, wirklich gute Scheiben produzieren kann und untermauert seine raptechnische Ausnahmestellung ein weiteres sehr hörbares Mal. Aber für R. Kelly muss ich einfach und für die vielen Slow Jams will ich je einen Punkt abziehen.

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