Royal Bunker – RB NR.1 Vol 2 – Rock ´n` Roll

Kein schöner Land in dieser Zeit,
als hier das unsere weit und breit,
wo wir uns finden wohl unter Linden
zur Abendzeit.

Das Intro zu diesem neuen RB NR. 1 VOL 2-Sampler beginnt Staiger mit diesen ruhig und langsam gesprochenen Worten von Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio aus dem Jahre 1838. Bevor einem nach ca. 35 Sekunden wieder klargemacht wird, dass man sich hier keines Falls das neue Hörbuch zu den privat-poetischen Gedanken der Royal Bunker-Acts ins CD-Deck gelegt hat, sondern es in den nächsten 20 Tracks eher um Begriffe wie "Krieg", "Gewalt", “Friede“, "Ghetto", "Fotze", "Hass" oder „Liebe“ geht. Das Ganze bekommt man dann auch prompt zu hören. Zum Beispiel in „Bounce“ ("Bouncet mit uns und fühlt den Scheiss, ey wir sind cool wie Eis") und anderen battle-lastigen Tracks wie „Run Up“, „Kampfgeist“ oder „Abendmahl“ („ich bin killa, leg dich nicht mit mir an, denn du bist stock-schwul, oh schäm dich du Punk. Nicht nur das, du bist sogar ein harter Hater, ey yo ich reim so dope, als wär mein vater Jada“ (Big Derril Mack)). Diese konnten mich textlich keinesfalls überzeugen , das letztere bleibt aber wenigstens durch einen ohrwurm-fähigen Refrain etwas hängen. Des Weiteren gibt es aber auch die melancholische Ecke, in der sich Leute wie z. B. Jack Orsen mit „Lasst uns beten“ bewegen, wobei er inhaltlich einen recht guten Job macht, man jedoch bei Begriffen wie Technik oder Flow wieder Abstriche machen muss. Den Beat dazu lieferte Ronald Mack Donald (+7 weitere) und damit nach genauerem Hinhören auch irgendwie die Erinnerung an Sinans „Nichts  gegen mich“ auf der „John Bello Story“. Naja, ähnlich sozialkritisch verhalten sich „Kämpf“ von Jack Orsen, Tarek und Tony Tone  oder Catee und Big Derill Mack auf „In der Kneipe“, indem sie die Schicksale behandeln, die jeder kennen müsste, der zumindest schon mal in die nächste Eck-Kneipe gegangen ist, um sich Kippen aus dem Automat zu ziehen, weil der Kiosk schon zu hatte. Ganz anders geht es dahingegen bei eher melodischeren Stücken wie „Kult wie Alf“ oder „Die Besten im Westen“ von M.O.R. zu. Was ebenfalls nicht fehlen durfte, war natürlich „der Chef“ Staiger persönlich per „Waaahnsinn“ (H.A.C.K.), „Kampfgeist“ mit Lines wie „Ich bin ein alter Mann, ich bin irgendwie defekt. Ich hab irgendeine Macke, fühl mich wie Johnny Cash. Ich bin der Man in Black. … Ich hasse deutsche Rapper, genau wie deutsches Fernsehen, immer dümmer immer schlechter. Wie Paris Hilton, talentlos und Dreck. Natürlich hab ich Kampfgeist, sonst wär ich doch schon längst weg.“ oder einfach allein auf dem sehr interessanten und bizarren Beat von Biztram mit ebenso dementsprechenden Zeilen. Auch Mister Tua ist versucht, zwischenzeitlich mal jemanden platt zu trampeln, was ihm punchline-technisch leider auch nur bedingt gelingt. Auch die K.I.Z.ler haben wieder „Randale“ gemacht und man konnte sich zwischendurch immer wieder zurücklehnen und auf Zeilen wie „Triff mich im Winter, Sonnenbrille, Strangbuggy, du gehst mit deiner Frau spazieren, ich mit meinem Schwanz gassi. Dein Gesicht is wie ein Versprechen, ich geb dir die Hand drauf. Deine Mama, keine Hürde, doch ich nehme sie mit Anlauf.“ (Euro 8000) oder „Du bist eh passé, guck mal auf dein EKG.“ (Maxim) in „Randale“ vertrauen. Auch gleich zu Anfang haben sie wieder klargemacht, dass sie reinkommen, wo sie wollen, um dieses Mal den Koitus zu vollziehen und das Objekt der Begierde wie ein Schulbuch durchzunehmen ("Mädchen, es wird jetzt Zeit für den Koitus, mach mit deinem Vogel Schluss, da muss ein Profi ruff. Du willst Romantik? Komm ich fick dich hinterm Rosenbusch und aufm Klo im Suff, jetzt mach die Hose uff")."Hölle" ist natürlich auch drauf und entlassen wird man dann ebenfalls mit einem letzten Schmunzler bei „Kalifornien“ von Nico (Euro 8000).

Da man sich ja angeblich vorgenommen hatte, der „Person“ Hip Hop aus dem verkoksten Club wieder ins Stadion zum „Rocken“ zu verhelfen, muss ich sagen, dass dies leider nur ansatzweise gelungen ist und einen nicht eingefleischten RB-Fan keineswegs dazu bewegen könnte, dem Willen des Bunkers zu folgen und ihm sich, sein Leben, seine Seele und sein Geld zu überlassen (siehe hier).

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