Namjo Subo – Morbides Hirngebrösel / Euch die Macht, uns die Nacht

„Morbides Hirngebrösel – Tastaturrap: Aus Dem Kopf Gespuckte Essays“ Früher hatte ich folgende Berufswünsche: Ich wollte entweder Muse von irgendeinem Künstler sein oder Autor für das Satire-Magazin „Titanic“. Das geht euch zwar eigentlich nichts an, ist aber eine Spitzeneinleitung für Namjo Subo´s kleines Schriftstück „Morbides Hirngebrösel – Tastaturrap: Aus Dem Kopf Gespuckte Essays“. Mit dem eben genannten Buchtitel ist dann auch schon ziemlich treffend umschrieben, womit sich der Schreiber, der manch einem vielleicht eher als Mitglied der Vers Chaoten oder als ehemaliger MTV Fett-Moderator Dida ein Begriff sein könnte, gedanklich befasst hat. Im Pressetext zum Buch steht zu lesen, dass man „Morbides Hirngebrösel“ in etwa mit Texten eines Max Goldt vergleichen könne. Oh ha, welch gewagter Vergleich, aber ich bin guter Dinge und lese mich durch die ersten Seiten. Doch, ja, die Schachtelsätze erinnern ein wenig an Herrn Goldt, der sich übrigens meinen Berufswunsch erfüllte und tatsächlich für die Titanic Texte verfasst. Auch ein gewisser Zynismus und Witz ist Namjo Subo nicht abzusprechen, während er sich mit so Sachen wie „Too many MC´s, not enough Mics / Selektion durch Evolution / Fernsehmoderatoren koksen, Rapper kiffen und Schriftsteller süffeln artig an ihrem Rotwein“ oder auch „Nein, ich mag keine Kapern und erst Recht nicht pubertierendes Schwulengediss aus Berlin“ auseinander setzt. Alles in allem nehmen wir teil an einer Reise durch einen Kopf – nämlich den des Namjo Subo- und dem, was da drin vorgeht und schon immer mal wieder da raus musste.Ich sehe den Tatstaturrap als persönliche Abrechnung eines jungen Typen mit dem ganz normalen alltäglichen Wahnsinn, angefangen bei unsympathischen Zeitgenossen, die einem so Tag für Tag vor die Nase treten, bis hin zu Boulevard-Presse und Popmusik, welche heutzutage des öfteren und doch fälschlicherweise als „for us, by us“-HipHop verkauft wird.Ob das Buch nun jedermanns Geschmack trifft, sei dahin gestellt. Es ist aber allemal ein gängiges Stück Unterhaltung für Gelegenheiten wie: ´Ich fahre gerade mit dem Zug nach Dortundorthin und mir ist langweilig.´ Oder: `Ich wollte schon immer mal wissen, was wohl der Dida zu all dem sagt.`A.„Euch die Macht, uns die Nacht“ Namjo Subo´s „Euch die Macht, uns die Nacht“ ist ein Science-Fiction-Psycho-Thriller um eine kleine, terroristisch veranlagte Hacker-Crew von drei Jugendlichen, die im ultrakapitalistischen Deutschland der 2060er Jahre zu rebellieren versuchen, und vor ihre größte Herausforderung gestellt werden, als sie beim Hobby-Bombing im Cyberspace eine finstereEntdeckung machen. Eben noch in der Mission unterwegs, einem etwas frechen Rivalen um das Referatsthema „Kunst der vergangenen Jahrtausende; speziell: Graffiti“ einen virtuellen Denkzettel zu verpassen, sehen sich die Freunde plötzlich einer Übermacht unsichtbarer Verfolger nebst Klon-Elite-Kampfeinheiten mit Tötungsabsicht inkl. Internet-und-Satelliten-Totalüberwachung gegenüber. Eine lebensgefährliche Treibjagd durch verschiedene Realitätsebenen beginnt, die durch den unberechenbaren Hang zum geistigen Absturz, dem so genannten „Brainwash“ des Haupthelden Buzz nicht wirklich überschaubarer wird.Alles in allem ein sehr kurzweiliger Ride im Tempo des Datentransfers Anno 2068, trickreich erzählt und im Detail sehr bemüht, die Schauplätze, Handlungen, Charakteristika und Ausdrucksweise der Figuren zeit- und altersgerecht zu gestalten. Was leider auffällt, ist, dass sich der Autor an genau diesen Stellen oft eines etwas unbeholfenen Archivs an uns allzu bekannten und teilweise äußerst klischeehaften Plots anderer bedient. Das schrumpft die Story über lange Passagen zu einer Art Collage aus „Herr der Ringe“, „Matrix“, „Knight (und Thomb)R(a)ider“ und „Raumschiff Enterprise“ , die – angereichert mit ein paar Prisen templerischer Illuminaten-Paranoia, Rambo-Rasta-Mentalität und Punkrock-Romantik – nicht selten Fragen aufwirft.Dies, und die wirklich beträchtliche Anzahl an Schreib- und Druckfehlern, lassen das Ganze eher wie einen sehr ausgereiften Schulaufsatz aussehen, was aber zu guter Letzt, absichtlich oder nicht, stilistisch schon zu Inhalt und Message passt.Außerdem ist dieses Buch ja auch nicht von einem Literaturprofessor geschrieben worden, und somit gilt abschließend: Wer auf Graffiti und Videospiele steht, gern auch mal etwas unkonventionellere Parallelen hervorassoziiert und schon immer wissen wollte, wie sich die Situation für solche wie uns in den nächsten 50 Jahren entwickeln wird, dem sei „Euch die Macht, uns die Nacht“ ans Herz gelegt. Denn die Geschichte ist spannend.M.

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