Bob Marley – Bob Marley And The Wailers / Caribbean Nights Documentary

Full 100 Reggae-Explosion und um einiges mehr. So könnte man es schon sagen, um der dahingehend interessierten Leserschaft eine DVD-Dokumentation mit dem Titel Bob Marley And The Wailers (including Caribbean Nights Documentary) nahe zu führen.

Zunächst gilt leider auch für Bob Marley, der im Alter von sechsunddreißig Jahren einem Krebs-Leiden erlag: Nur die Besten sterben jung  und anschließend gibt es reichlich Space für Legendenbildung, unzählige Nachrufe, Erscheinungen der Verstorbenen aus dem Jenseits oder gar Alben derer, produziert von noch Lebenden. Und doch ist man im Falle eines Bob Marley, schaut man im Gegenzug beispielshalber auf die ungnädige Ausschlachtung eines 2Pac, immer wieder um respektvollen Umgang mit dessen Erbe, welches seinen geschätzten Schöpfer indes schon über zwei Jahrzehnte überlebt, äußerst bemüht.

Und ich weiß wohl, dass dies nun wie eine hundertfach abgedroschene Phrase erscheinen mag, aber Robert Nesta Marley hat schließlich in der Musik-Geschichte, wie auch in politischen Angelegenheiten, nicht nur die Dritte Welt betreffend, Dinge bewegt, wie es vor oder nach ihm nur wenige vollbracht haben, und deshalb stehen ihm posthume Auf- und Auszeichnungen wie diese schlichtweg zu. Die Doku allein  ebenfalls mit Preisen bedacht  greift zurück auf Live-Material aus den frühen Jahren Marleys ihrem Bob und dessen Gefährten wie Peter Tosh, Joe Higgs, Judy Mowatt und Ehefrau Rita Marley, und zeigt, was der Sänger, Bandleader, Poet (bitte findet euren eigenen Superlativ) im Interview über sich selbst und den eigenen Werdegang berichtet. Sie dokumentiert dessen Einfluss auf Freunde, Kollegen und vor allem sein Volk, was hierbei sowohl aus jamaikanischer, als auch aus afrikanischer Sicht beleuchtet wird.

Eine uneingeschränkte Affinität zu Reggae-Musik wäre für The Caribbean Nights Documentary zwar nett, aber nicht zwingend von Nöten. Vielmehr scheint Interesse an geschichtlichen Hintergründen angebracht, denn man erfährt Wissenswertes von Rastas über Rastas – und die dazugehörige, aus unserer Sicht vielleicht ein wenig verklärt wirkende Religion -, den Besuch des äthiopischen Kaisers Haile Selassie auf Jamaika, ein Konzert Marleys zur Unabhängigkeits-Erklärung Simbabwes oder auch die legendäre Zusammenführung der beiden Parteiführer der jamaikanischen links orientierten National Partei und der eher rechts angesiedelten Arbeiter Partei, beim 78er One Love-Konzert in Kingston.

Wer sich also auf Reise zwischen Half-Blues, Ska, Rocksteady und Reggae begeben und sich ganz nebenbei noch etwas weiterbilden möchte, liegt mit dem Erwerb dieser DVD richtig, sollte aber darauf achten, dass diese in zwei verschiedenen Variationen erschienen ist und lediglich die limitierte Doppel-DVD auch die eben beschriebene Dokumentation umfasst. Wer diese verpasst, kann sich aber immer noch an dem 1977 im Londoner Rainbow Theatre aufgenommenen Live-Konzert-Mitschnitt erfreuen, obgleich es derartige Aufzeichnungen mittlerweile en masse auf dem weltweiten Markt zu kaufen gibt.

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