Sage Francis – A Healthy Distrust

Es ist nicht ganz so einfach Sage Francis zu beschreiben. Vielleicht, weil man nicht so genau weiß, wo man anfangen soll. Der heute 27jährige, aus Rhode Island stammende MC hat sich seinen Status redlich verdient. Seinen Status als ein grandioser Lyriker und Spoken Word Artist, als ein zu fürchtender Battle-Rhyme MC, als Radio Moderator oder als sein eigener Tour Manager.

Aber der Reihe nach. Paul Francis, wie Sage mit bürgerlichem Namen heißt, begann im zarten Alter von acht Jahren zu rappen. Beeindruckt von Künstlern wie Run DMC und besonders Chuck D & Public Enemy, baute Sage seine Rapskillz genauso kontinuierlich aus, wie sein lyrisches Talent. Das führte dazu, dass er in den 90er Jahren einige bedeutende Freestylebattles gewinnen konnte, wie den „Superbowl MC Battle“ in Boston oder den „Scribble Jam“ im Jahre 2000.

Ein Jahr zuvor hatte Sage mit seinem Buddy und Produzenten Joe Beats seine erste Single auf den Markt gebracht, unter dem Pseudonym „Non Prophets“. Auch ohne ernsthafte Promotion konnten die beiden ein paar 1000 Stück unter das Volk bringen. Ein beachtlicher Erfolg.Sage, der nicht nur die MC-Schule besucht hat, sondern auch Abschlüsse in Kommunikationswissenschaft und Journalismus vorweisen kann, baute sich mit seinen ersten Soloalben, wie auch mit der Veröffentlichung eines Non-Prophet Album, eine feste Fanbase auf. Sein Stil hat sich im Laufe der Jahre geändert. Waren seine anfänglichen Werke noch stark Battlereim beeinflusst, ist Sage seit seinem ersten Release auf Anticon 2002, „Enter Personal Journals“ eher in die Spoken Word Rap Richtung abgeschweift.

Seine Lyrics wurden persönlicher, verzweigter, methaphernreicher und politischer. Und das bringt uns auch direkt zu seinem neusten Werk „A Healthy Distrust“. Wie der Name schon andeutet, ist dieses gesunde Misstrauen natürlich direkt auf die Politik in den USA gerichtet und hier insbesondere auf G.W.B., wenn ihr wisst wen ich meine. Aber Sage Francis wäre nicht so weit gekommen, wenn er seine Musik voll und ganz in den Dienst der politischen Diskurse stellen würde. Dazu ist er zuviel Musiker.

Das Album ist sehr ausgereift, musikalisch und textlich. Auf den 15 Tracks lernt man Sage von verschiedenen Seiten kennen. Politische Anklagen finden sich z.B. auf „The Buzz Kill“ oder „Slow Down Ghandhi“, der ersten Single des Albums, wo es um die Wiederwahl geht, um den ungerechten, verherrlichten Krieg und um die, seiner Meinung nach, nicht sonderlich sinnvolle „Vote“ Kampagne diverser Rapstars. Hier ein Zitat von Sage: „There was a song called „Arrest the President”. Contemporary music. A hit with the kids. It was a top ten. I wasn´t pop then so I missed the bus a bit. But politics was on everybody’s hot-this-summer list. The cool kids were all rocking votes. I shit you not. But I was pistol whipping Cops for HipHop.”

Sehr poetisch wird Sage auf Songs wie “Agony In Her Body” oder “Sun vs Moon”, ein imaginärer Zweikampf zwischen der Sonne und dem Mond, aber auch zwischen Gut und Böse, zwischen Gott und dem Teufel. Seine Texte sind nicht immer einfach zu verstehen, weil man außer der reinen Übersetzung auch zwischen den Zeilen lesen sollte. Aber glücklicherweise hat Sage auch daran gedacht und alle Texte im Booklet abgedruckt. Es lohnt sich auch wirklich, sich mal damit auseinander zu setzen.

Das Label „Epitaph“, wo sein neustes Album veröffentlicht wird, ist eher in Sachen Punkrock bekannt geworden, bis sie mit Atmosphere und eben Sage Francis auch zwei Rap-Acts unter ihre Fittiche nahmen. Das haben sie sicherlich ziemlich bewusst getan und haben mit Atmosphere und Sage zwei Künstler, die ebensoviel Wert auf ihre Musik legen, wie auf die Texte. „A Healthy Distrust“ kann auch wunderbar gehört werden, ohne dass man sich in die lyrischen Parallelwelten begibt. Dafür haben Produzenten wie Dangermouse, Controller7, Alias, Sixtoo, Daddy Kev und natürlich auch sein alter Kumpan Joe Beats gesorgt. Immer passend zur Aussage des Songs, gibt es von aggressiv und roh bis hin zu melodisch verträumt viele musikalische Facetten vereint auf einem großartigen Album: „A Healthy Distrust“. Ich hoffe ihr vertraut mir in diesem Fall!

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