Roots Manuva – Awfully Deep

Viele dachten ja, dass England in punkto HipHop nicht viel zu bieten hat. Auf den Mainstream bezogen, änderte sich das mit Dizzee Rascal. Doch die Heads wissen schon seit langem, dass in England einiges geht. Da wäre zum einen Blade, Mark B. und… Roots Manuva. Der ist auf der Insel längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Sein 2001er Release „Run Come Save Me“ erreichte im Vereinigten Königreich immerhin Gold. Stylemäßig wurde Manuva immer als Underground bezeichnet. Bekommt das jetzt nicht in den falschen Hals! … nicht Underground wie Def Jux! Die Insel war ja schon immer für einen etwas eigenen Musikstil bekannt, und diese Tradition führt Manuva weiter. Eine Prise TripHop, gemischt mit etwas Garage, über Grime und Dub, hin zu Reggae und Dancehall. Aber immer eine gehörige Portion HipHop im Blut. Das nur als Hinweis für die Leute, die jetzt sagen: Ist das überhaupt noch HipHop? Hell, yeah!!

Der Engländer besitzt einen unheimlichen Flow und weiß, wie man jemanden durch lyrische Ergüsse in seinen Bann zieht. Teilweise wird gerappt, teilweise getoastet. Schon der erste Track „Mind 2 Motion“ entführt die US- und Deutsch-Rap gewohnten Gehörgänge in eine neue Dimension der musikalischen Flexibilität. Was ist denn das jetzt? Dub, Reggae, HipHop? Gute Musik! Fast über die gesamte Albumlänge beschäftigt sich Manuva mit den Ängsten und Verführungen, die sich ihm selbst darbieten. Der Neuvater muss jetzt einen neuen Lebensweg einschlagen. Vorbei sind die langen, durchzechten Nächte voller Weed und Lycor. Das merkt man eindeutig in Manuva’s neuen Lebenseinstellungen, die er in seinen Songs vorträgt.

Auf dem TripHop getränkten „Colosal Insight“ stellt er seinen Lebenswandel dar und gibt auch an, dass „Awfully Deep“ vielleicht sein letztes Album sein wird. Hoffen wir es nicht! „Too Cold“ hört sich dann schon eher nach typischem HipHop an. Was mir nun auffällt ist, dass Manuva seine Hooks auch gern mal einsingt. Gleichzeitig ist er ein wahrer Lyricist mit Reggae-Dub-Wurzeln und stellt dies auf „A Haunting“ unter Beweis. Seine Lyrics kommen hier in gesprochener Weise rüber und erinnern eher an eine goethesche Vorlesung als an einen mit Flow bestechenden Rapsong. Skills!

Nun geht es auf in Ecstasy getauchten Grimebeats weiter („Rebel Heart“ & „Chin High“), um danach mit „Babylon Medicine“ einen wahren Dancehall-Burner zu liefern, der seines Gleichen vergeblich sucht. Gegen Ende des Albums wird es dann noch mal richtig deep („Thinking“ & „Falling“) – Manuva philosophiert über das alltägliche Leben und darüber, dass man sich mit dem eigenen Haben zufrieden geben sollte. Der letzte Track „Tootbrush“ bietet abermals perfekten Flow auf einem für mich undefinierbarem Beat.

Abschließend bleibt wirklich nur noch eines zu sagen: Kunstwerk mit Prädikat!

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