F.R. – Mundwerk

„Mundwerk“ von F.R. aus Braunschweig ist oberflächlich betrachtet ein ungewöhnliches Album, ist doch der Protagonist erst 14 Jahre alt. Seine Stimme klänge altersbedingt „ein bisschen ill“ kokettiert er im bouncigen Intro. Dies stimmt wohl, aber wer sich auf die Illness ein bisschen einlässt bekommt eine variationsreiche, stets kontrollierte Stimme zu hören, die sehr wohl ausdrucksstark und eindringlich ist. Fehlender Stimmbruch bedeutet alsonicht fehlende Qualität.

Das Album ist zwanzig Tracks stark, und die Beats stammen meist von Team 17 aus Honnef, sowie außerdem von Lu Abzrakk, Bronco und Necrow. Die Instrumentals sind durchweg sehr gut und vielseitig. Elektronische Beats, sowie Instrumentals mit stets gut gewählten Samples aus Klassik und Jazz, oder auch selbst eingespielte Melodien, bilden jeweils den passenden Rahmen, und haben stets dieses eine Quentchen Feeling, dass richtig gute Beats von soliden Beats unterscheidet.

F.R. hat vielseitige Beats auch bitter nötig. Scheinbar spielerisch springter von Subgenre zu Subgenre, kickt originelle Representer, wobei er stets mitAugenzwinkern auf sein Alter verweist (und insbesondere auf die Reaktionender Heads), spittet roughen Battletext mit blitzsauberen Doubletimeparts,erzählt lustige, durchdachte Storys (Ein psychopathischer Psychiater alsRolle…) oder gibt sich nachdenklich. Sehr wohltuend ist die vielseitige,durchaus elaborierte Wortwahl und die durchweg unverschämt guten Reime. Sokickt er über einen ganzen Part hinweg den selben Mehrfachreim, ohne denSinn aus den Augen zu verlieren. Dennoch klingt F.R. niemals corny, weil ersich mit subtilem Feingefühl seinem Alter entsprechend gibt. Aufgefährlichem Halbwissen basierende politische Statements entfallenglücklicherweise. Ein Track setzt sich sehr intelligent mit den Schwächenund Ungerechtigkeiten des deutschen Schulsystems auseinander, in einemanderen Song zeichnet F.R. den sozialen Abstieg eines Jugendlichenmusikalisch und inhaltlich wunderbar eindringlich nach. Gleich mehrereTracks sind als Hommage an sein lieb gewonnenes Hobby zu verstehen, und man nimmt diesem Wunderkind den Spaß an der Sache einfach ab.

Auch die Flows dürften ungläubiges Staunen hinterlassen. Der kleine Mann istso was von on point, dass man ihn als Metronom benutzen könnte, und meistertauch schwierige Beats spielend.

Auch ohne „Ach ist der süß“-Bonus, unter ganz objektivenKriterien, führt kein Weg an der Höchstnote vorbei. Der Flow, die Texte, dieBeats, ja einfach alles ist weit überdurchschnittlich, und die Tatsache dassdieser MC erst 14 ist, dürfte die gegenwärtige Elite besorgt aufhorchenlassen. Oder vielleicht nimmt sich die Elite seiner an!? Zu wünschen wäre esdem wohl vielversprechendsten deutschen Nachwuchstalent. Ich empfehle nachdrücklich den Kauf der Scheibe, schon allein wegen dem Sammlerwert in 10 Jahren…

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