Halbe Hemden – Wie Im Wahn EP

Manche essen gerne nen halben Hahn, andere hingegen bevorzugen ganze Tiere. Es gibt auch welche, die machen nur halbe Sachen. Andere wiederum können von „gefährlichem Halbwissen“ berichten. Und in Rostock, da gibt es Leute, die nennen ihre Band Halbe Hemden. Derer gibt es gleich drei, nämlich Atse.x und Henry d. Syllables am Gesang und Orwo Magnetic an der Rhythmussektion. Ein Blick auf das Plattencover belegt, dass die Herren von der Ost(See)Küste nicht gerade gebaut sind wie LL Cool J, da macht der Name Sinn. Ein anderer Blick auf das Plattencover zeigt, dass selbige Band sich wohl außerdem nicht zu ernst nimmt, denn das, was man sieht, hat eher den Charme einer Rockband im Proberaum als den einer HipHop Band. Aber dies kann ja nur positiv sein. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Trotz aller Leichtigkeit werden hier keine Halben Sachen präsentiert. So handelt es sich bei dem Label, auf dem die Scheibe erscheint, mit KasabiTunez um ein unabhängiges aus Rostock. Hier widmet man sich seit 2002 eifrig dem Release von Tapes (siehe PitRock/ Nervenkitzel– Review), und jetzt stehen auch die schwarzen Scheiben an – und das alles in Eigenregie.

Klangtechnisch geht es eher Richtung synthetischere Sounds, wie zum Beispiel der Opener „Na, wie geht’s?“. Man sagt hallo, stellt sich vor und gibt gleich noch nen Überblick darüber, wie es andere so tun („Es ist normal/ man gibt fünf oder Lichthupe/ man kommt mit Salz und Brot/ oder mit Schnittblume“). Mein persönlicher Favorit ist der „Human Zoo“ mit breiter Fläche und spärlich gesetzter, aber sehr smoother Gitarre. Auch der Text hat einiges zu bieten: „Es geht tierisch ab/ und du willst wissen wo/ überall denn die Welt ist nen Zoo/ Alle benehmen sich wie die Tiere/ is doch so/ Du musst nur ma kucken/ und dann findest du auch dich im Zoo“ – und um das zu belegen, gibt es lauter Wortspiele mit Tiervergleichen (z. B. „Sogar die Kinder der schwarzen Schafe sind kleine Biester/ man wirft Perlen vor die Säue/ und züchtet sich Schweinepriester“) – sehr schön das. Andere Reimer reden ja gern davon, andere bzw. anspruchsvolle Texte zu machen, hier wird es einfach gemacht.

Ordentlich Zug ist dann im letzten Stück drin: ein Synthie-Bass treibt das Ding nach vorne. „Wollt Ihr mehr?“ heißt es, und die Frage kann gleich beantwortet werden: Ja, bitte.

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