N.W.A. – Die Vergessenen: MC Ren

Straight Outta Compton

Ein Filmplakat. Drei Namen prangen über dem Titel: Dr. Dre, Eazy-E, Ice Cube.
Ein Trailer. Drei Namen flackern über den Bildschirm: Dr. Dre, Eazy-E, Ice Cube.
Die Niggaz Wit‘ Attitudes waren aber kein Trio. Nachdem Mitgründer Arabian Prince das Kollektiv 1988 verlässt, stellt sich „Straight Outta Compton“ für die verbliebenen Fünf als Coup ihres Lebens heraus. Fünf, nicht drei: DJ Yella und MC Ren, der 1988 zur Gruppe stößt, tragen einen wesentlichen Teil zum Erfolg von N.W.A. bei, werden im Film aber eher unter den Teppich gekehrt.  Seit Donnerstag läuft das Biopic über die Crew aus Compton in den deutschen Kinos. Im zweiten Teil von Die Vergessenen richtet sich das Spotlight auf MC Ren. Vorhang auf für The Villain in Black.

MC Ren

Auch wenn dieser bei „Straight Outta Compton“ als Berater fungierte, scheint er über den Umgang mit seiner Person nicht sehr zufrieden zu sein: „Man fuck these bitches at universal pictures leaving me out the movie trailers tryin’ to rewrite history„, twittert Lorenzo Patterson, der von Schauspieler Aldis Hodge verkörpert wird. Nicht nur, dass er im Trailer kaum vier Sekunden zu sehen ist, auch im Film spielt MC Ren eher die Rolle eines Statisten. Doch obwohl er nicht zu den Gründungsmitgliedern der World’s Most Dangerous Group zählt, nimmt er sowohl als Lyricist als auch MC eine tragende Rolle ein.

Am 14. Juni 1969 erblickt Ren in Kalifornien das Licht der Welt und wächst mit zwei Brüdern und einer Schwester in East-Compton auf. Über einen dieser Brüder lernt er Eric Wright aka Eazy-E kennen, der, ebenso wie er selbst, bei den Kelly Park Compton Crips mitmischt. Beeinflusst von Eastcoast-Größen wie KRS-One, Chuck D., Rakim und Big Daddy Kane beginnt er zu Highschool-Zeiten mit dem Schreiben eigener Texte. Als Awesome Crew 2 tritt er mit Kumpel MC Chip in umliegenden Parties oder Nachtclubs auf. Den Plan zur Army zu gehen verwirft er dank „Full Metal Jacket“ schnell und konzentriert sich nun ganz auf die Musik. Die Bemühungen sollen sich schon bald auszahlen.

Nach dem Erfolg von „Boyz-n-the-Hood“ und der Gründung der N.W.A. engagiert Ruthless Records ihn zunächst als Solo-Artist. Doch weil Ice Cube für ein Jahr zum Studieren verschwindet, schreibt Ren Eazy-Es Solodebüt „Eazy-Duz-It“ nahezu komplett im Alleingang. Ende 1987 avanciert er zum offiziellen Mitglied: In vier Wochen und mit einem Budget von 8.000 Dollar entstehen die 13 Tracks von „Straight Outta Compton„. An acht von ihnen ist Ren lyrisch beteiligt. Eine kleine Anekdote bezüglich der Texte: Bei einem von Ice Cubes Mutter veranstalteten Barbecue versuchen er und besagter Cube zum ersten (und scheinbar letzten) Mal, gemeinsam einen Song zu schreiben. Ren über dieses Experiment: „We was like ‚Fuck that‘, and went back to our own corners.

Nachdem Jackson die Gruppe 1989 wegen Unstimmigkeiten mit dem Management verlässt, veröffentlichen die verbliebenen Mitglieder in Windeseile die EP „100 Miles And Runnin‘„. Ren zeichnet nun, abgesehen von vereinzelten Beiträgen seitens The D.O.C., alleine für die Lyrics verantwortlich. Unter anderem verfasst er den Cube-Diss „Real Niggaz„, welcher dessen Authentizität und Originalität infrage stellt und ihm Feigheit unterstellt. Das darauf folgende letzte N.W.A.-Album „Niggaz4Life“ ist das erste HipHop-Album, das auf Platz eins der Billboard-Charts landet. Dieser Erfolg verhindert jedoch nicht das von Dres Weggang eingeleitete Ende der Crew im Jahr 1991.

 
Patterson bleibt Ruthless Records zunächst treu und veröffentlicht mit Eazys Hilfe die sechs Tracks starke EP „Kizz My Black Azz„. Produziert von DJ Bobcat, landet diese in den Top 10 der R’n’B-Charts und erreicht innerhalb zweier Monate Platin-Status. Anschließend erhält er das Angebot, eine Rolle im Hood-Drama „Menace II Society“ zu übernehmen, lehnt aber ab und wird durch MC Eiht ersetzt. Trotz seiner andauernden Verbindung zu Ruthless söhnt sich Ren schon bald mit Ice Cube aus und nimmt im Streit zwischen ihm und Eric eine neutrale Haltung ein. Dennoch entsteht 1992 eine knapp zweijährige Funkstille zwischen ihm und E.

Während der Aufnahmen zu seinem Solo-Album „Shock Of The Hour“ konvertiert MC Ren zur Nation Of Islam. Kritiker werfen ihm nach der Veröffentlichung unter anderem Misogynie, Antisemitismus sowie eine feindselige Haltung gegenüber Weißen vor, was den guten Verkäufen allerdings keinen Abbruch tut. 1994 erfolgt die Aussöhnung mit Eazy und nur zwei Wochen vor dessen Tod entsteht mit Yella als Produzent die gemeinsame Single „Tha Muthaphukkin Real„. Der Tod seines Jugendfreundes setzt Lorenzo stark zu, und zu allem Überfluss gesellt sich kurz vor Erscheinen seines zweiten Soloalbums „The Villain In Black“ ein weiterer hinzu: Sein DJ stirbt an den Folgen einer Rauchvergiftung.

Das Album verkauft sich weniger gut, doch bevor Ren sein Label 1998 verlässt, veröffentlicht er noch „Ruthless For Life“ mit Features von Snoop Dogg und Cube. Obwohl die Verkäufe besser laufen, legt er seine Solo-Karriere vorerst auf Eis. Stattdessen arbeitet er mit Paris, einem Conscious Rapper aus San Francisco, zusammen und ist auf zwei Tracks von Public Enemies „Rebirth Of A Nation“ zu hören. Erst 2009 erscheint in den USA mit „Reincarnated“ wieder ein eigener Longplayer. Die Dreharbeiten zu „Straight Outta Compton“ inspirierten scheinbar auch ihn: Ende des Jahres soll das Projekt „Rebel Music“ erscheinen.

 
Der 46-Jährige hat sich mittlerweile in Palm Springs niedergelassen und verbringt seine Zeit am liebsten mit Lesen: „I know so much shit that motherfuckers would think I’m crazy if I said everything that I’ve learned„, erzählt er in einem seiner seltenen Interviews mit LA Weekly. Ren ist mit den Jahren ruhiger geworden und schützt seine Privatsphäre so gut wie möglich. In seinen besten Tagen verteilte der MC jedoch lyrische Kinnhaken, während er im gleichen Atemzug von Klassenkämpfen, Religion, Armut, Imperialismus und Religion zu berichten wusste. Nicht umsonst heißt es deshalb auf Outkasts „Aquemini„: „Faith is what you make it / That’s the hardest shit since MC Ren.

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