Staiger reagiert auf Kritik an seinem Engagement für Flüchtlinge

Marcus Staiger reagiert auf die Kritik an seinem Engagement für Flüchtlinge und erklärt in einem ausführlichen Blogbeitrag, warum er sich für Asylsuchende einsetzt. Dabei nimmt er explizit Bezug auf zwei Kommentare, die auf rap.de veröffentlicht wurden. Am Wochenende hatten wir über Staigers Doku über das Drama um die von Flüchtlingen besetzte Gerhard-Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg berichtet, das auf sozialen Netzwerken wie Twitter unter dem Hashtag #ohlauer zu finden ist. 

Staiger, von 2008 bis 2011 selbst rap.de-Chefredakteur, greift den Tenor vieler Kommentare auf, den er wie folgt zusammenfasst: „Was wollen diese protestierenden Flüchtlinge eigentlich? Die sollen mal froh sein, dass sie überhaupt hier sein dürfen, denn da wo sie herkommen ist es noch schlimmer und hier haben sie wenigstens ein Dach über dem Kopf und was zu essen. Unmöglich, dass sie sich auch noch über ein Land beschweren, das ihnen geholfen hat. Die sollen mal die Fresse halten und wenn es ihnen hier nicht gefällt, dann sollen sie doch wieder abhauen.

Diesem Standpunkt wiederum setzt Staiger seinen eigenen entgegen. Die Flüchtlinge seien sehr wohl dankbar, erklärt er. Und nicht nur das: „Sie sind diesem Land so dankbar, dass sie nur allzugern beweisen würden, dass sie für sich selbst sorgen können und diesem Staat nicht mehr auf der Tasche liegen müssen. Aber genau das dürfen sie nicht. Diese Menschen werden gezwungen, in ihren Unterkünften zu bleiben, dreimal am Tag abgepacktes Essen entgegen zu nehmen und ansonsten nichts zu tun.“ 

Die Praxis, Flüchtlinge in Sammelnunterkünften unterzubringen, kritisiert Staiger scharf. „Normalerweise verurteilt man jemanden zu einer Gefängnisstrafe, wenn er oder sie ein Verbrechen begangen hat. (…) welches Verbrechen haben diese Menschen begangen? Das Verbrechen im falschen Land geboren worden zu sein? Das Verbrechen, sich auf den Weg gemacht zu haben, in der Hoffnung, in einem anderen Land könnte es einem vielleicht besser gehen? Das Verbrechen arm zu sein? Das Verbrechen Hunger gehabt zu haben? Oder das Verbrechen, zufälligerweise im falschen Land Gastarbeiter gewesen zu sein, das zufälligerweise dann von der NATO bombardiert wurde, woraufhin man ins Meer getrieben wurde, wie es Tausenden von Afrikanern ergangen ist, die von südlich der Sahara kamen, um in Libyen zu arbeiten?

Reisefreiheit sei etwas, was wir in den westlichen Ländern als selbstverständlich voraussetzten. „Warum nochmal finden wir das selbstverständlich? Weil wir zufälligerweise im richtigen Land geboren sind und zufälligerweise den richtigen Pass haben? Aber so ist es halt, oder? Manche haben Glück und manche haben Pech. Diese Art von Glücksspiel abzulehnen, macht mich, macht uns also zu weltfremden Gutmenschen? Na denn – Gutmensch in your face, ihr Idioten.

Den ganzen Beitrag von Staiger findest du hier. Die Dokumentation über das Drama um die Flüchtlingsschule findest du hier

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