„Ich habe deine Adresse“

Man hat es nicht leicht als Journalist im Bereich der Rapmusik. Jeder hält sich für den Besten, Egos von unschätzbarem Ausmaß prallen aufeinander und jegliche Kritik kann sehr schnell als persönlicher Angriff gewertet werden. Vor einiger Zeit rief Fler bei laut.de an und drohte der Rezensentin Dani Fromm, jetzt gab es in Hamburg einen weiteren Fall von gezielter Presse-Einschüchterung. Diesmaliger Täter: Faro. Sein Opfer? Marco Carini von der "taz".

Wie die "Hamburger Morgenpost" berichtete, arbeitete der Rapper in einer Jugendeinrichtung in Hamburg, wo er mit den Kindern Musikvideos produzierte. Im Mai letzten Jahres wurde er dann jedoch entlassen. Grund dafür waren offiziell seine Gewalt beinhaltenden Texte und Fotos, auf denen er mit einer Schrotflinte posierte, der Musiker selbst behauptet, freiwillig gegangen zu sein. Mit der darauffolgenden Berichterstattung war Faro offensichtlich nicht einverstanden, insbesondere die journalistischen Ergüsse des "taz"-Redakteurs Marco Carini scheinen ihm bitter aufgestoßen zu sein.

In seinem Song "Osmanischer Terrorsound" äußert er sich gegenüber dem Journalisten nämlich wie folgt: "Marco Carini! Sag bist du ein Hurensohn? Du bist eine Hackfresse, scheiß auf deine Klatschpresse. Wenn ich will, Marco, hab ich deine Adresse." Gegen diese Äußerungen leitet die Zeitung nun rechtliche Schritte ein, das ist allerdings noch nicht das Ende der Geschichte. Ebenfalls involviert ist nämlich der SPD-Abgeordnete Klaus Lübke.

Der Politiker bezeichnete Carini als "Schreibtischtäter" und bezichtigte ihn, unsauber recherchiert und einseitig berichtet zu haben. Den Vorwurf, Faro damit in seinen Aussagen zu unterstützen, weist er jedoch weit von sich und stellte die Dinge in seinem Weblog klar. Unter anderem sieht er die Arbeit mit dem kritisierten Rapper als durchaus erfolgreich an, insbesondere das Video "Steh Auf" liegt im hierbei am Herzen: "Ich finde es markiert einen Fortschritt, trotz einer Zeile deren Inhalt ich auch nicht richtig finde. Einen Fortschritt, nicht das Ende des Weges. Einen Fortschritt, den ich, weil ich ihn gut fand auf meiner Webseite beschrieben habe. Ein Lied, das abgesehen von einer Textzeile, gut genug war als Beispiel erfolgreicher Arbeit des Ministeriums zu dienen."

Schlußendlich äußert sich Lübke dann allerdings noch zu Rap im Allgemeinen und da zeigt sich, dass er sich mit der Thematik vielleicht doch nicht so wahnsinnig auseinandergesetzt hat: "Sogenannte Gangsta-Rapper, Bushido, Sido oder Public Enemy (!) stehen mit problematischen Liedern und Texten ganz hoch im Kurs, ihre Botschaften werden auch von den Medien verbreitet."

In jedem Fall bleibt für die Zukunft sowohl von Seiten der Medien, als auch der Musiker mehr Toleranz dem jeweils Anderen gegenüber zu wünschen.

 

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